1. Kultur

Aachen: Selten aufgeführtes Telemann-Werk bei Bach-Tagen

Aachen : Selten aufgeführtes Telemann-Werk bei Bach-Tagen

„Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann” lautet die Thematik der 29. Aachener Bach-Tage, ein Motto, das vor 30 Jahren noch nicht möglich gewesen wäre, galt Telemann doch lange als der routinierter Vielschreiber.

Was einst Wilhelm Furtwängler, der große Dirigent, über Schütz sagte, hätte er auch über Telemann sagen können: „Glaubt jemand im Ernst, dass einer die unausschöpfbaren Qualitäten Bachs zu fühlen und zu begreifen imstande ist, der ihn mit Schütz in eine Reihe stellt?”

So bot das erste Chorkonzert in der Kirche St. Michael eine interessante Konfrontation. Wolfgang Karius, der verdiente Organisator der Bach-Tage, hatte, an der Spitze des Kammerchors der Bachvereins und der auf historischen Instrumenten musizierenden Johann-Christian-Bach-Akademie Hamburg zwischen Bachs selten aufgeführter Messe F-Dur BWV 233 und dem populäreren Magnificat BWV 243 Telemanns Oratorium „Das befreite Israel” gestellt, eine Rarität, die stilistisch bereits in die Region der frühen Klassik verweist.

In einer Folge von homophonen Chören und Arien wird der Auszug der Israeliten durch das Rote Meer und der Untergang der verfolgenden Ägypter besungen.

Der liedhaft-lyrische Charakter der Arien, der farbige, auf drastische Wirkungen bedachte Orchestersatz die Schlichtheit der Chorsätze, alles das hat seinen Reiz, zumal die formale Knappheit den dramatischen Zug unterstreicht.

Die Nähe der weniger bedeutenden, nur aus Kyrie und Gloria bestehenden Messe Bachs mag Telemanns Werk aushalten, neben dem genialen Magnificat in der glanzvollen D-Dur-Fassung hat es einen schweren Stand.

Der Kammerchor des Bachvereins war sowohl der kontrapunktischen Verwicklungen Bachs wie der flächigeren Schreibweise Telemanns ein sicherer, kultivierterer Anwalt.

Dass ein Laien-Ensemble dieser Art an Grenzen stößt, wenn es um die gefürchteten schwer realisierbaren Jubel-Girlanden von Bachs „Gloria Patri” im Magnificat geht, mindert die chorische Leistung nicht. Karius bevorzugte in diesem Werk zu Recht zügige Tempi und konnte sich auf ein tüchtiges Solisten-Ensemble mit Dorothea Craxton (Sopran), Christine Wehler (Alt), Andreas Post (Tenor), Ekkehard Abele (Bass) sowie auf vorzügliche Bläser-Solisten stützen.

Viel Beifall dankte für einen festlich-anregenden Abend.