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Düsseldorf: Seit 25 Jahren: Die Musik greift nach den Sternen

Düsseldorf : Seit 25 Jahren: Die Musik greift nach den Sternen

Die runde Kuppel der Tonhalle gehört seit 1926 zu den Wahrzeichen Düsseldorfs. Seit 1978 beherbergt die Halbkugel am Hofgartenufer den städtischen Konzertsaal und ist das Zuhause der Düsseldorfer Symphoniker.

Dieses 25-jährige Jubiläum bietet Grund für eine große Geburtstagsfeier am 27. April. Tatsächlich jedoch blickt die Tonhalle auf eine wesentlich längere Tradition zurück.

1864 machten die Düsseldorfer Nägel mit Köpfen. Sie leisteten sich - nach Aachen als zweite Stadt in Deutschland - ein eigenes Orchester und den passenden Konzertsaal gleich dazu. Der so genante „Geislersche Saal”, vormals „Beckers Gartenlokal”, wurde umgebaut und firmierte fürderhin als „Tonhalle”.

Das eher schlichte Gebäude musste 1877 der „neuen” Tonhalle weichen - einem überaus stattlichen Gründerzeitbau mit klassizistischem Portal, der mit dem „Kaisersaal” einen der größten Konzertsäle seiner Zeit bot.

1943 wurde der in der Nähe des Schauspielhauses gelegene Prachtbau von Bomben zerstört. 1944 erfolgte die Auflösung des Orchesters, die Musiker wurden auf kriegswichtige Betriebe verteilt.

Hochklassige Klänge unter der Halbkugel

Zwar gab es bereits 1945 einen Neuanfang mit 45 Musikern, aber es sollte noch mehr als 30 Jahre dauern, bis die Stadt ihr damals gegebenes Versprechen nach einem Zentrum für konzertante Musik einlöste. Heute steht ein Kaufhaus dort, wo einst die Tonhalle stand, nur der Straßenname (Tonhallenstraße) erinnert noch an sie.

1978 kommt dann jene Halbkugel ins Spiel, die 1926 der Architekt Wilhelm Kreis als Planetarium erbaute. Architekt Prof. Dr. Helmut Hentrich gab den Anstoß dazu, dass die Musik künftig am Rheinufer nach den Sternen greifen sollte.

Bis auf den ursprünglich offenen Umgang unter der Kuppel wurde die gesamte Außenfassade Original getreu restauriert, auch Kunstwerke aus der Zeit der Erbauung wie Skulpturen, Mosaiken und die so genannten „Zwickelbilder” blieben erhalten. Das Innere erhielt ein neues Erscheinungsbild.

Heute beherbergt es einen großen Konzertsaal mit knapp 2000 Plätzen direkt unter der Kuppel, einen Kammermusiksaal, die Rotunde im Foyer, die Konzertkasse, zwei Bars und die berühmte Helmut-Hentrich-Glassammlung im historischen „grünen Gewölbe”.

Heute genießen durchschnittlich 220.000 Zuschauer pro Jahr eines der über 200 Konzerte im authentischen 70er-Jahre-Ambiente.

Nachdem 1981 die konservative Benutzerordnung gelockert wurde, die bis dahin alles Nicht-Klassische verbot, stehen auch Jazz-, Chanson-, Kabarett- oder Soul-Highlights auf dem Programm.

Nach bekannten Generalmusikdirektoren wie Eugen Szenkar, Jean Martinson oder Rafael Frühbeck de Burgos lenkt seit 2000 der New Yorker John Fiore die Geschicke der Symphoniker.

Überhaupt weht seit 1997 ein frischer Wind durch die Tonhalle: Mit Jugend-Konzerten, der Reihe „Impulse” und innovativen Werbe-Strategien wie einem Kino-Spot mit „Rhein Fire”-Spielern hat Intendantin Vera van Hazebrouck ihre Pläne, ein neues Publikum für die Tonhalle zu gewinnen, ein gutes Stück weit verwirklichen können.

Das wurde ihr gerade erst von berufener Seite bestätigt. Im Rahmen der Frankfurter Musikmesse wurde die Tonhalle mit dem „Masterix 2003” ausgezeichnet.

Dabei konnte sich Düsseldorf gegen starke Konkurrenten wie Wien, München, Berlin oder Saarbrücken durchsetzen und wurde ausdrücklich dafür gelobt, mit konventionellen Werbestrategien für Kulturstätten gebrochen und „stattdessen Aufmerksamkeit erregt und neugierig gemacht” zu haben. Genau das, was viele Konzerthäuser wollen.