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Herzogenrath: Seit 25 Jahren Begleiter des Strukturwandels

Herzogenrath : Seit 25 Jahren Begleiter des Strukturwandels

Der Niedergang des Steinkohlebergbaus in der Region war die Geburtsstunde des „Forum der Arbeit”.

Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, der Gewerkschaften und kirchlicher Verbände wie die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Kolping und die Christliche Arbeiterjugend (CAJ) wollten die Schließung von Emil Mayrisch, der letzten Zeche im Aachener Revier, nicht schweigend hinnehmen. 1987 schlossen sie sich zusammen und gründeten 1989 den „Förderverein Forum der Arbeit für die Wirtschaftsregion Aachen e.V.”. Seither begleitet das Forum kritisch den Strukturwandel in der Region, stets auf der Seite der Verlierer des wirtschaftlichen und sozialen Umbruchs.

Menschenwürde im Blick

Im Mittelpunkt aller Veranstaltungen, Publikationen und vom Forum entwickelter Projekte stand stets die Frage „Was passiert mit den Menschen?”. Nicht nur mit Blick auf die Arbeitsplätze, sondern unter dem Aspekt Menschenwürde. Denn mit dem Strukturwandel ging vielfach auch der Verlust sozialer Zusammenhänge verloren. „Das ist das Spannende am Forum”, sagt die Diplom-Theologin Jolanda Staman, seit vier Jahren hauptamtliche Mitarbeiterin. „Wir haben immer versucht, Lobby für die Verlierer zu sein und Lösungen gemeinsam mit den Menschen zu entwickeln.” Dazu gehört die Stadtteilarbeit ebenso wie der Versuch, über Stadtteilbetriebe Arbeitsplätze zu schaffen. Dazu gehört aber auch die kritische Auseinandersetzung mit der regionalen Wirtschafts-, Sozial- und Verkehrspolitik, wobei das Forum stets soziale und ökologische Standards eingefordert hat.

Unkonventionelle Ideen

Mehr als einmal ist das Forum der Arbeit angeeckt. Aber, sagt Jolanda Staman, es hat sich mit seinen häufig unkonventionellen Ideen schnell einen Namen in der Region gemacht. Und „anfangs belächelte Ansätze sind inzwischen umgesetzt.” Das reicht von der Euregiobahn über eine mobile Beratungsstelle zum Thema Beruf und Weiterbildung im Kreis Aachen oder interkommunale Zusammenschlüsse bis hin zu den „Runden Tischen” beim Bischof.

„Wir waren in den 15 Jahren sicher kein bequemer Partner”, sagt Jolanda Staman. „Wir haben immer versucht, unbequeme Fragen zu stellen - im Interesse der vom Strukturwandel betroffenen Menschen.” Und das soll auch künftig so bleiben. Schließlich ist der Strukturwandel noch längst nicht vollendet, und die aktuellen Sozial- und Arbeitsmarktreformen bieten genügend Zündstoff.

Ab Juli ohne hauptamtliche Mitarbeiter

Allerdings muss das Forum der Arbeit ab Juli ganz auf hauptamtliche Mitarbeiter verzichten. Die Finanzkrise des Bistums Aachen und der evangelischen Kirche, aber auch fehlende Mittel für arbeitsmarktpolitische Projekte in der Region lassen dem Vorstand um Georg Hupfauer (KAB) und Gabriele Juraschek-Kreft (DGB) keine andere Wahl. Als ehrenamtlicher Geschäftsführer wird Wilfried Wienen, pädagogischer Leiter des Nell-Breuning-Hauses, versuchen, die Fäden in der Hand zu halten.

Die Aktiven - die meisten haben sich auch bislang schon ehrenamtlich eingebracht - hoffen, dass sie nur eine Übergangszeit von vielleicht ein oder zwei Jahren ehrenamtlich überbrücken müssen. Ob das realistisch ist angesichts des breit gefächerten Themenspektrums, das das Forum der Arbeit immer beackert hat, wird sich zeigen.

Zunächst aber wird am kommenden Sonntag, 6. Juni, von 10 bis 13 Uhr im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath das 15-jährige Bestehen gefeiert.