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Aachen: „Seismograph” der Wirklichkeit

Aachen : „Seismograph” der Wirklichkeit

Wer eine sentimentale Veranstaltung erwartet hatte, der sah sich schnell belehrt. Die beiden Hauptdarsteller des Abends gaben dazu aber auch gar keinen Anlass: Aernout Mik nicht, weil er mit dem Aachener Kunstpreis geehrt wurde; Harald Kunde nicht, weil ihm gefühlige Anwandlungen eh eher fremd sind.

Für den niederländischen Künstler gab es das Preisgeld von 10.000 Euro und eine Urkunde, für den scheidenden Direktor des Ludwig Forums Geschenke und beste Wünsche für die Zukunft.

Dass man den Ort der mit der Preisvergabe verbundenen Präsentation von vier Filmen Miks nur über das angrenzende Restaurant erreichen kann, gehört zu den obskuren Alleinstellungsmerkmalen des Forums, mit denen sich Kunde in seinen Aachener Jahren permanent konfrontiert sah. Mik selbst sah es gelassen und fühlte sich geehrt, in der Liste der Preisträger auftauchen zu dürfen.

Neues durch Video-Kunst

Zuvor hatte Professore Stephan Berg, Direktor des Kunstmuseums Bonn und Sprecher der Jury, den 1962 geborenen Künstler kenntnis- und detailreich als „Seismograph einer unbeherrschbar gewordenen Wirklichkeit” gewürdigt. Mik habe der Video-Kunst eine völlig neue Form der Inszenierung gegeben und neue Bilder für die zentrale Frage nach dem Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft gefunden, sagte Berg.

Die Preisvergabe an Mik durch Joachim Plum, Vorsitzender des Kunstpreiskuratoriums und des Vereins der Freunde des Ludwig Forums, drohte fast ein wenig unterzugehen, denn zuvor standen bereits Abschiedsworte auf dem Programm. Harald Kunde machte es kurz und schmerzlos: Er sprach von seinen sieben Aachener Jahren als intensive und spannende Zeit voller Herausforderungen und verlegte sich ansonsten auf Danksagungen - an die Ludwig Stiftung, die Mitarbeiter, von denen er stellvertretend drei namentlich heraushob, und besonders an Irene Ludwig.

Etwas detaillierter ging da Aachens Kulturdezernent Wolfgang Rombey (Oberbürgermeister Jürgen Linden war nicht zugegen) vor: Kundes Start in Aachen sei schwierig, das Ende furios gewesen. Schwierig, weil der Forums-Direktor vielleicht „zu schnell zu viel gewollt habe, weil er das Richtige zur falschen Zeit gefordert” habe?

Rombey ließ das offen. Auch Kundes Schwierigkeiten mit Mitarbeitern, die die Anfangszeit arg belastet hatten, ließ der Stadtdirektor nicht unerwähnt. Kunde sei letztlich ein Einzelkämpfer, beseelt davon, seine Vorstellungen umzusetzen, mit einer Scheu davor, sich selbst darzustellen oder sich den Politikern anzudienen. „Er wollte, dass seine Arbeit für sich selbst spricht.” Und darin sei Kundes Bilanz in Aachen positiv. Der Rest war feiern.