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Aachen: Sechs Millionen reichen den Gemeinden nicht

Aachen : Sechs Millionen reichen den Gemeinden nicht

Um den maroden Haushalt des Bistums zu sanieren, mussten auch die Pfarrgemeinden die Luft anhalten, um ihren Gürtel wesentlicher enger schnallen zu können.

Für die Jahre 2005 und 2006 mussten die Kirchenvorstände der einzelnen Sprengel mit je zehn Prozent weniger auskommen, im Jahr 2007 waren es gar 20,5 Prozent, die in der Kasse fehlten. Das war enorm viel Geld für die Pfarreien. Deshalb wandte sich die Aachener Pfarre St. Johann Baptist an die Schiedsstelle des Bistums, um feststellen zu lassen, ob die Kürzungen überhaupt rechtens waren. Ihr schlossen sich mehrere Gemeinden aus dem gesamten Bistum an.

Verständlicherweise ist keine der Gemeinden, die ohnehin unter den mehr und mehr schwindenden Katholikenzahlen leiden, davon begeistert, wenn die Mittel schrumpfen. Peter Roggendorf, Leiter der bischöflichen Schiedsstelle, hörte sich gestern die Nöte und Sorgen und auch den Zorn der Kläger an. Und entschied: nichts.

Erst am 27. Juni wird Roggendorf seine Entscheidung zur Kenntnis geben und auch begründen. Vorher ist auch keine Stellungnahme aus der bischöflichen Chefetage zu bekommen. Auch Bistums-Pressesprecher Franz Kretschmann hält sich bedeckt. Er betont aber, dass „die Kürzungen durch den Kirchensteuerrat abgesegnet wurden. Und in dem sitzen auch Delegierte aus den Bistumsregionen”.

Der Bischof und sein Generalvikar würden schließlich nicht nach Gutsherrenart über die Kirchensteuern entscheiden, da habe der Kirchensteuerrat berechtigterweise eine Aufsichtsfunktion. Im übrigen könnten sich die Gemeinden in diesem Jahr über eine Zuweisung von sechs Millionen Euro freuen. Denn das Bistum mache erstmals wieder ein Plus von 21 Millionen Euro: 266 Millionen Euro nimmt es ein, 245 Millionen Euro gibt es aus. Der Rest, 15 Millionen, wandere in die seit Jahren schmalbrüstige Rücklage, war aus Bistumskreisen zu hören.

„Die sechs Millionen Euro sind doch ein Trostpflaster”, schimpft Karl-Josef Begaß, der sich als Rendant der Pfarre St. Peter und Paul im Würselener Stadtteil Bardenberg in Geldsachen auskennt und bis zur Pensionierung als Referent im Generalvikariat für die Haushalte der Gemeinden zuständig war. Ein Trostpflaster auch, weil der Geldsegen keiner mehr sei, wenn er unten ankommt. Dann wärs bei 532 Sprengeln für viele Gemeinden nicht mehr als ein Tropfen aus dem heißen Stein.

Das Bistum kommt offensichtlich immer noch nicht zur Ruhe. Es verzettelt sich in Steuersachen und Fusionsdiskussionen. Fürs Kerngeschäft, die Verbreitung der Frohen Botschaft, bleibt wenig Zeit und Raum.