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München: Scorpions-Sänger Klaus Meine: „Wir leben immer noch unseren Traum”

München : Scorpions-Sänger Klaus Meine: „Wir leben immer noch unseren Traum”

Die Scorpions sind Deutschlands dienstälteste Rocker und zählen mit mehr als 60 Millionen verkauften Alben und rund 100 Mal Gold und Platin zu den erfolgreichsten Musikexporten des Landes. Ihre Tourneen führten sie um die ganze Welt, auch nach Israel, Indonesien oder Ägypten.

35 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütwerkes „Lonesome Crow” (1972) erscheint am Freitag Album Nummer 21.

„Humanity - Hour 1” ist ein Konzeptalbum, das in Los Angeles mit dem Produzenten Desmond Child entstanden ist, der schon mit Künstlern wie Aerosmith, Bon Jovi oder Alice Cooper gearbeitet hat. Mit Scorpions-Sänger Klaus Meine sprach Marina Antonioni in München.

Warum haben sich die Scorpions für ein Konzeptalbum zum Thema Menschlichkeit entschieden?

Meine: Weil Menschlichkeit das ist, was wir alle heute oftmals vermissen. Wenn man die Welt betrachtet, gibt es so viele Bereiche, all die Schlachtfelder da draußen in der Welt, aber auch im Privaten hinter verschlossenen Wohnzimmer- und Schlafzimmertüren. Wir alle fragen uns, wie können wir es schaffen umzudrehen und zur Straße der Menschlichkeit zurückzufinden, indem wir wieder Liebe und Respekt nach vorne stellen und diese Welt für uns und zukünftige Generationen retten. Das ist der Grundgedanke.

Aus musikalischer Sicht: Ist „Humanity” wie das letzte Album „Unbreakable” wieder eines für die echten Rockfans?

Meine: Ja, es ist ein konsequentes Rockalbum geworden, aber es ist auch sehr melodiös. Es ist ein Rockalbum, aber die Scorpions klingen nicht wie in den 80ern, sondern wie 2007. Wir sind im Hier und Heute. Wir haben eine lange Historie, und wenn wir eine Platte machen - und das müssen wir ja nicht mehr - dann wollen wir natürlich ein Produkt vorlegen, das etwas Besonderes markiert.

Sie hatten zum ersten Mal Ihren eigenen Personal Trainer bei der Produktion dieses Albums dabei, wieso das?

Meine: Man ist lange im Studio und hat nicht so viel Bewegung wie sonst, und da hatten wir diesmal einen sehr aufmerksamen Produzenten, Desmond Child, der schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt gesagt hat: Jungs, ab morgen ist Training angesagt. Wir haben das nicht zusammen gemacht, die Vorstellung wäre zu schön, sondern jeder hatte seinen Privattrainer. Wir haben dem nach sehr kurzer Zeit sehr viel abgewonnen.

Sie sagten, die Scorpions müssten eigentlich keine Alben mehr aufnehmen. Beschäftigt Sie manchmal der Gedanke an Ruhestand?

Meine: Ruhestand kennen Musiker ja nicht. Das ist unser 21. Album, deswegen haben wir wirklich sehr viel reingelegt, denn es könnte tatsächlich unser letztes sein, das schließe ich nicht aus. Die ganze Szene hat sich so dramatisch verändert. Heute kaufen sich die Leute Leer-CDs und brennen sich die einzelnen Songs. Der Aufwand, der mit solch einem Album verbunden ist, ist so gigantisch und steht in keiner Relation zu dem, was am Ende als Ertrag herauskommen könnte. Als Liveband spielen wir Konzerte auf der ganzen Welt und könnten das noch lange tun, ohne ein neues Album zu produzieren. So ein Projekt hält uns sechs Monate davon ab zu touren. In dem Sinne überlegt man sich schon, warum ein neues Album. Allerdings: Wenn wir es nicht mehr machen würden, finde ich, wäre das ein erstes Zeichen von Abschied.

Macht es Sie ein wenig traurig, dass Sie im Ausland jetzt die größeren Erfolge feiern als in Ihrer Heimat?

Meine: Manchmal schon. Gleichzeitig finde ich es sehr positiv, dass sich die deutsche Szene so stark entwickelt hat, so selbstbewusst. All die jungen Bands: Silbermond, Juli, Rosenstolz. Unsere Geschichte war von Anfang an international ausgelegt, deswegen müssen wir nicht traurig sein. Die Musik spielt für uns woanders umso lauter. Es war eine sehr gute Reise bis jetzt, und sie ist auch noch nicht zu Ende. Wir leben immer noch unseren Traum.