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Berlin: Schwarze Platten sterben noch lange nicht aus

Berlin : Schwarze Platten sterben noch lange nicht aus

Den Spruch „Ich war schon überall, vielleicht können Sie mir helfen?!” hört Thomas Raschke ziemlich oft.

In dem kleinen Laden „Musik unter den Gleisen” in der Berliner Friedrichstraße verkauft er die Tonträger, die manch einer schon totgesagt hatte: das gute alte Vinyl.

Für sein Geschäft gilt: Die Nachfrage nach LPs ist seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre wieder gestiegen. Auch die deutschen Phonoverbände bestätigen diesen Trend. „Die Schallplatte ist nicht tot”, erklärt Verbandssprecher Hartmut Spiesecke.

Das Marktsegment sei zwar - gemessen am gesamten Absatz von rund 223 Millionen verkauften Tonträgern im Jahr 2002 - ziemlich klein und könne nicht den Musikmarkt retten, betont er. Der Verkauf von Platten sei aber in der zweiten Hälfte der 90er Jahre wieder nach oben gegangen, nachdem er „schon mal deutlich geringer war”.

Im Jahr 2002 wurden rund 900000 Vinyl-LPs gekauft, mehr als doppelt so viele wie Mitte der 90er Jahre.

Verkaufszahlen steigen

Der kontinuierlich gestiegene Vinylabsatz - zu dem auch noch Singles in gleicher Zahl kommen - sei „offensichtlich einem stabilen Kundenkreis aus DJs und Vinylfreaks zuzurechnen”, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht 2002 der Phonoverbände. „So lange es eine Nachfrage nach Vinyl gibt, wird es auch eine Produktion geben”, betont Spiesecke.

Das ist auch bei Warner Music Germany der Fall. Nachdem Vinyl vor einigen Jahren schon ziemlich out gewesen sei, gebe es mittlerweile ein „kleines Revival”, sagt Warner-Marktforscher Frank Vogel. Vor allem durch die Clubszene hätten Platten wieder eine gewisse Aktualität bekommen.

Für sein Unternehmen gilt: „Von den wichtigsten Stars und Bands wie Madonna, den Red Hot Chili Peppers, Nena oder Neil Young machen wir auf alle Fälle LPs.” Hiervon würden zwar keine „Riesenstückzahlen” abverkauft. Für bestimmte Zielgruppen - den jüngeren DJs oder den älteren „richtigen Sammlern” - seien sie aber „extrem beliebt”. „Das ist ein anderer Klang als bei den CDs”, sagt Vogel.

Andere, kleinere Labels haben dagegen weniger positive Erfahrungen: „Wir würden gerne LPs machen”, sagt Werner Aldinger von Enja Records in München, die nur noch „ganz selten” Platten herausbringen.

Dies scheitere daran, dass Handel und Vertrieb keine Langspielplatten mehr bestellten. Die Endkunden hätten sie zwar gerne. „Das lohnt sich aber erst ab einer Auflage von 1000 Stück”, sagt Aldinger. Für das Plattengeschäft „Musik unter den Gleisen” war dagegen das Aus der Platte bei den großen Handelshäusern positiv. „Dass bei uns die Nachfrage gestiegen ist, resultiert größtenteils daraus, dass die großen Ketten keine Platten mehr führen”, sagt Geschäftsführer Raschke.

Ob CD oder lieber Vinyl - letztlich sind die jeweiligen Gründe der Vorliebe nichts als Glaubenssache: Während Vinylfans glauben weichen Sound, füllige Bässe und seidige Höhen zu hören, loben CD-Anhänger die weitaus größere Dynamik und das fehlende Knistern - AUF das die Platten-Nostalgiker womöglich gar nicht verzichten wollen...