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Heimbach: Schuberts epochales Werk unter Starkstrom

Heimbach : Schuberts epochales Werk unter Starkstrom

Zwei weitere, randvoll mit Kammermusik der feinsten Güteklasse bestückte Abende erwartete die Besucher des Festivals „Spannungen - Musik im Kraftwerk Heimbach” nach dem großartigen, aber kräftezehrenden Eröffnungs-Marathon.

Angesichts der Vielfalt der Werke und der beteiligten Künstler ist es immer ungerecht, einzelne Beiträge über Gebühr hervorzuheben. Doch wenn sich Werk, Interpretation und Festivaltitel überhaupt identisch in Deckung bringen lassen, dann trifft dieses Ideal auf den Vortrag von Franz Schuberts Klaviertrio in Es-Dur D 929 zu.

Gastgeber Lars Vogt am Klavier und die Geschwister Christian und Tanja Tetzlaff (Violine und Violoncello) setzten das epochale Werk gleichsam unter Starkstrom, als ob sie ihre Inspiration aus den Turbinen des Kraftwerks bezogen hätten.

Von den immensen spieltechnischen Anforderungen abgesehen sehen sich die Musiker vor die kaum lösbare Aufgabe gestellt, in der ungekürzten Urfassung fast 50 Minuten lang schroffe, nervös pulsierende Musik ohne Schubert-gemäße lyrische Oasen konzentriert in Spannung zu halten.

Ohne derbe Kraftmeierei spielten die Drei die Brüche, Ein- und Abbrüche der Musik kompromisslos aus, statteten die kurzen lyrischen Lichtblicke mit Schubert-typischer Wärme aus und setzten den „zürnenden” Dauerbeschuss um so nahtloser und überwältigender fort. Heimbach at his best.

Nicht minder spannend ging es am darauffolgenden Abend mit einem Beitrag zu, der auf den ersten Blick in die Abteilung origineller Kuriositäten gehört. Dmitri Schostakowitschs letzte Symphonie Nr. 15 A-Dur für Violine, Violoncello, Klavier, Celesta und Schlagzeug zu transkribieren, mutet abenteuerlich an.

Wie geschickt Viktor Derivianko und Mark Pekarski jedoch mit dem Segen des Komponisten die ohnehin stark kammermusikalisch ausgerichtete Symphonie bearbeiteten, ließ mögliche Zweifel schnell verstummen.

Gewiss hatten es die beiden einsam postierten Streicher nicht immer ganz leicht, sich gegen das Klavier und das dreiköpfig besetzte Schlagzeug durchzusetzen. Gleichwohl bot die Musik der kurzfristig eingesprungenen Geigerin Antje Weithaas und dem mit besonders eindrucksvollen Kantilenen beschenkten Cellisten Gustav Rivinius reichlich Gelegenheit, sich adäquat zu präsentieren. Starke Impulse setzte die Pianistin Silke Avenhaus.