Aachen: Schrittmacher-Tanzfestival: Internationale Gäste locken die Tanz-Fans

Aachen : Schrittmacher-Tanzfestival: Internationale Gäste locken die Tanz-Fans

Die Welt tanzt beim Schrittmacher-Tanzfestival „just dance“, das vom 20. Februar bis 25 März in seiner 23. Ausgabe Raum für Begegnungen, Experimente, Kreativität und die leidenschaftliche Sprache der Körper bietet. Ob in der Backstein-Industrie-Architektur der Fabrik Stahlbau Strang in Aachen, im Theater Heerlen oder im Alten Schlachthof Eupen — überall wird es spannend und international.

Umgeben von Workshops, Filmen und einem besonderen Angebot für junge Leute gibt es ein Programm mit 15 Compagnien und über 40 Choreographien. „Wieder eine Compagny mehr als im letzten Jahr und drei zusätzliche Aufführungstermine in der Fabrik“, freut sich Festivalleiter Rick Takvorian, der zusammen mit Co-Organisatorin Stefanie Gerhards zwei Ziele verfolgt: Kontinuität und immer wieder die Realisation neuer Ideen.

Eingeschworenes Team: Stefanie Gerhards und Festivalleiter Rick Takvo-rian treffen letzte Vorbereitungen. Foto: Andreas Herrmann

Neues in der Mulde

So kehrt das Festival diesmal mit einer Produktion sogar an seinen Gründungsort zurück — im Ludwig Forum Aachen wird die chinesische Choreographin Yin Yue mit vier Tänzern ihrer New Yorker Company ein Auftragswerk für Schrittmacher entwickeln und am 2. März in der Mulde präsentieren. Das Thema? „Die Mulde, die Situation, dass rundum Menschen sitzen werden“, verrät Takvorian. „Wir wünschen uns, dass diese Raumerfahrung im Mittelpunkt steht.“ Gearbeitet wird vor Ort, denn die Tänzer und die Choreographin haben die Künstlerwohnungen des Museums bezogen.

Experimente gibt es gleichfalls bei den Nachbarn. In Heerlen erarbeitet der israelische Tänzer und Choreograph Ohad Naharin mit dem Nederlands Dans Theater das Projekt „The Hole“, das an vier Tagen je zweimal aufgeführt wird — jeweils von einem reinen Frauen- und einem reinen Männerensemble. Das Publikum sitzt dabei auf der Bühne rund um eine erhöhte Tanzfläche.

Obwohl das Festival thematisch bewusst keine Grenzen setzt und sich musikalisch zwischen Klassik, üppigen orientalischen Rhythmen, Rock‘n‘Roll, David Bowie und der amerikanischen Lyrikerin und Punkmusikerin Patti Smith bewegt, pflegt man diesmal eine Art Länderschwerpunkt. Sowohl in Aachen als auch in Heerlen werden Produktionen aus England, Kanada und Mexiko zu sehen sein. „Zwei unterschiedliche kanadische Gruppen in einer Woche hat es noch nie gegeben“, betont Stefanie Gerhards. „Es ist reizvoll, einmal die Fabrikkulisse und dann wieder ein Theater zu haben, das für Inszenierungen technisch umfangreichere Möglichkeiten eröffnet.“ Fortgesetzt wird die Beschäftigung mit Igor Strawinskys Werk „Le Sacre du Printemps“.

Das Stück, komponiert für Serge Diaghilevs Ballets Russes, hat bei seiner Uraufführung 1913 am Pariser Théâtre des Champs-Elysées einen heftigen Skandal ausgelöst — barbarisches Ritual und ekstatischer Tanz verstörten das an graziöses Ballett gewöhnte Publikum. Inzwischen gilt „Le Sacre“ zwar als Klassiker der Moderne, reizt Choreographen aber unvermindert zu sehr unterschiedlichen Interpretationen. Die französische Compagnie Chute Libre nennt ihre Umsetzung „In Bloom — Un sacre du printemps hiphop“ und wird das bisher eher klassisch behandelte Thema mit Elektrobeats auf die Bühne der Fabrik Stahlbau Strang bringen. „Wir haben sie vor zwei Jahren bei der Tanzmesse in Düsseldorf gesehen, da war das Stück noch nicht fertig, jetzt sind wir sehr gespannt“, meint Takvorian.

Strawinsky spielt bereits im Vorprogramm zum Festival eine Rolle, wenn das Kammermusikfestival Spannungen am Freitag, 17. Februar, 20 Uhr, einen Abstecher nach Aachen unternimmt — übrigens zum ersten Mal. Beim Klavierabend mit Danae und Kiveli Dörken in der Fabrik Stahlbau Strang greifen die beiden Künstlerinnen vierhändig das Thema des „Sacre“ auf. „Wir wollen eine Brücke bauen, die Kooperation liegt uns beiderseits am Herzen“, betont Takvorian, „Spannungen und Schrittmacher haben viele Gemeinsamkeiten, wir stellen beide höchste Ansprüche.“ Getanzt wird an diesem Abend allerdings nicht.

Die Gäste aus Mexiko hat Takvorian höchst persönlich eingeladen: Zur Beteiligung des Landes gibt es eine besondere Geschichte: Auf Einladung der dortigen Regierung reiste Takvorian als Schrittmacher-Repräsentanten zu den großen Festivals in Mexiko City und in San Luis Potosí. Er wurde dabei gleich zweifach fündig.

War Schrittmacher in seinen Anfängen der Ort für die Auseinandersetzung mit zeitbezogenen Medien, sehen die Organisatoren im Moment andere Tendenzen: „Das Leben heute mit all seiner Aggressivität, aber auch das Ringen der Geschlechter und natürlich die Suche nach Liebe, all das bleibt“, meint der Festivalleiter.

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