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Aachen: Schrittmacher fürs Auge

Aachen : Schrittmacher fürs Auge

Professor Peter Walter, neuer Direktor der Augenklinik am Uniklinikum der RWTH Aachen, will in Zukunft Erblindenden mit implantierten Mikrochips helfen, wenigstens einen Teil ihrer Sehfähigkeit zurück zu gewinnen.

Das menschliche Auge ist ein Wunderwerk der Natur: Klein, filigran und unendlich kostbar. „Wir begreifen seinen Wert meist erst dann, wenn unsere Sehleistung eines Tages schwindet”, meint Professor Peter Walter. Der neue Chef der Augenklinik am Uniklinikum Aachen träumt einen alten Traum der Menschheit: Blinde wieder sehen lassen zu können. „In kaum einer anderen medizinischen Disziplin wirken sich kleine Eingriffe so gewaltig auf das alltägliche Leben aus”, erklärt der 40-Jährige. Die moderne Welt sei völlig auf die Sehleistung des Menschen abgestimmt.

„Einzigartig ästhetisches Sinnesorgan”

Die Faszination am menschlichen Auge, „diesem einzigartig ästhetischen Sinnesorgan”, ließ Walter seit Beginn seines Medizinstudiums in Köln nicht mehr los: „Die Augenheilkunde ist ein unglaublich spannendes, interdisziplinäres Fach - Physik, Biologie und Hirnforschung spielen eine entscheidende Rolle”, schwärmt er.

Anfang November wurde der gebürtige Wuppertaler auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen berufen. Am Uniklinikum übernimmt er zugleich die Leitung der Augenklinik. Bisher war Professor Walter leitender Oberarzt an der Klinik für Netzhautchirurgie am Kölner Uniklinikum.

In Aachen will er seine ehrgeizigen Forschungsziele umsetzen: „Aktive Implantate werden es Blinden in der Zukunft tatsächlich ermöglichen, zumindest schemenhaft wieder zu sehen”, ist Walter überzeugt.

Wird ein Traum wahr?

Sollte sich der alte Menschheitstraum doch verwirklichen lassen? Zumindest am „Tunnelblick” erkrankte Patienten dürfen hoffen. Bislang führte diese genetisch bedingte Netzhauterkrankung nämlich zwangsläufig zur Erblindung. Eine technische Netzhautprothese soll den Betroffenen künftig immerhin einen Teil ihres Sehvermögens zurückbringen. „Den Patienten werden wir einen Seh-Schrittmacher implantieren”, erklärt Walter, der bereits seit zehn Jahren an der Entwicklung dieser Mikrochips arbeitet. Mit einer Pilotstudie will der Forscher beweisen, dass die bislang positiven Ergebnisse aus Tierexperimenten auf den Menschen übertragbar sind: „Unsere Prothese ist derzeit weltweit die einzige Lösung ohne Kabel.” Bis zur Praxisreife sei es „noch ein gewaltiger Schritt”, doch er sei sicher machbar.

Professor Walter will auch im klinischen Bereich Akzente setzen: Künftig soll die Augenklinik stärker mit niedergelassenen Fachkollegen in der Region kooperieren. „Sie können dann bei Spezialsprechstunden und anderen Weiterbildungen von unserem Know-how profitieren.”

Ziel sei der stete Ausbau von ambulanten oder kurzzeit-stationären Operationen. Nur so könne die Medizin langfristig der Kostenexplosion im Gesundheitswesen begegnen, ohne die Versorgung von Patienten zu gefährden.