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Maastricht: Schönberg-Konzert: Einem Neuntöner auf der Spur

Maastricht : Schönberg-Konzert: Einem Neuntöner auf der Spur

„Schönberg in de Schijnwerpers”, so lautete das Motto einer Konzert-Trias, die das Werk des nach wie vor vom breiten Musikpublikum gemiedenen, für die Entwicklung der neuen Musik aber entscheidenden Neutöners beleuchtete. Und was kaum jemand zu vermuten gewagt hatte: Das Theater am Vrijthof war beinahe ausverkauft.

Man sah vor allem viele junge Interessenten. Das gewichtigste der drei Konzertprogramme, die sich nicht auf Schönberg beschränkten, sondern auch sein Umfeld einbezogen, war sicherlich das am Nachmittag Gebotene.

Das international renommierte, 1974 gegründete Schönberg-Ensemble, ursprünglich aus Studenten des Königlichen Konservatoriums den Haag gebildet, spielt ei zwei Hauptwerke aus Schönbergs mittlerer Schaffenszeit vor 1914, also jener Periode, da sich der Komponist von der Tradition absetzt, ohne bereits zu jener Zwölftönigkeit vorzustoßen, die sein Spätwerk kennzeichnet.

Die berühmten Fünf Orchesterstücke op. 18, im Original riesenhaft besetzt, erklangen in einer Fassung für kleine Besetzung. Reinbert de Leeuw, der Gründer und höchst verdienstvolle Leiter des Ensembles, präparierte die Strukturen der Musik sehr plastisch heraus.

Schlusswerk war hier der Höhepunkt

Wo es, wie im dritten Stück, ausschließlich um changierenden Klang ging, musste die kleine Besetzung naturgemäß hinter dem Original zurückstecken.

So war das Schlusswerk des Konzertes der Höhepunkt: die Kammersymphonie Nr. 1 für fünf Streicher und zwölf Bläser, jenes revolutionäre Stück, dessen hochschießendes Quinten-Thema zum Sprengsatz der Tonalität wurde.

Die Wiedergabe war so packend und mitreißend, dass de Leeuw und seine famosen Mitstreiter mit Standing Ovations gedankt wurden. Margriet van Reisen war die ausgezeichnete Mezzo-Solistin in Schönbergs „Lied der Waldtaube” aus dem „Gurrelieder”-Mammutwerk, das in seinem Aufwand Mahler übertrumpft.

Von Schönberg selber stammte die Kammerorchester-Fassung, die die lyrischen Schönheiten der„Waldtauben”-Episode beinahe noch eindringlicher offenbart als das Original, zumal die Solistin sich als so stimmschöne wie ausdrucksstarke Interpretin erwies.

Die „Berceuse élégiaque” von Ferruccio Busoni wirkte eher wie eine Beruhigung. Und Anton Weberns Symphonie op. 21, das avantgardistischste Stück der Konzert-Trias, ist in seiner rigorosen Zwölfton-Konstruktion auch heute noch schwer zugänglich, so glänzend de Leeuw und sein Meisterensemble das Zehn-Minuten-Werk auch spielten.

Eine aus Wien herübergekommene Foto-Dokumentation im Foyer ergänzte die „Scheinwerfer” auf Schönberg.