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Schlossfontäne aus Autoreifen

Schlossfontäne aus Autoreifen

Jehay (an-o) - "Eclosion" - Entfaltung, heißt das Thema der Skulpturen-Ausstellung im Schlosspark von Jehay. Wie sich die 36 Künstler aus der Euregio in diesem wunderschönen Ambiente entfaltet haben, ist den Sommer über zu besichtigen.

Skulpturen gehören zu Schloss und Park von Jehay wie die alten Bäume und die Wasserspiele. Der ehemalige Besitzer, Graf Guy van den Steen, war selbst Künstler und schmückte sein Anwesen mit eigenen Bronzeplastiken. Auch die Umgestaltung der Parkanlage nach dem Zweiten Weltkrieg war seine Idee, ebenso wie die Auflage nach seinem Tod (1999) die Liegenschaft als Kulturgut der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diesen Auftrag hat der neue Besitzer, die Provinz Lüttich, ernst genommen und präsentiert die dritte Skulpturenausstellung. Erstmals auch mit Künstlern aus der Euregio.

Individuelle Umsetzung

Der Aufforderung zur Entfaltung sind alle 36 Künstler auf individuelle Art gefolgt. Anders als bei musealen Ausstellungen wurden hier keine fertigen Objekte an die passende Stelle und ins rechte Licht gerückt. Die Arbeiten in Jehay sind alle für einen bestimmten Platz und im Kontext mit der Anlage geschaffen worden. Die Beleuchtung ist von Tageszeit und Wetter abhängig, und die direkte Umgebung vom Wuchs der Pflanzen. Entfaltung ist ein Prozess und die Präsentation damit immer wieder neu.

Diese Herausforderung hat der Aachener Künstler Niko Pol mit einem Augenzwinkern angenommen und montierte auf dem schnörkeligen Sockel eines italienischen Wasserspiels eine "Fontäne" aus Autoreifen und Gummischläuchen.

Weiße PVC-Streifen

Ernster wirkt die Installation "Terra incognita" von Sabrina Dendas aus Belgien: Erdfarbene Körper ragen aus der Rasenfläche, als ob sie bis zur Taille eingegraben wären. Der benachbarte Pavillon "Petit Palais" des Niederländers Marco Jurien bezieht sich wieder mehr auf die feudale Umgebung und lässt hinter orangenen Stoffbahnen eine überdimensionale Gruppe geschwungener weißer Tischbeine durchscheinen.

Ebenso vielfältig wie die persönlichen Umsetzungen sind die verwendeten Materialien: Glas taucht als vielschichtige Säule oder in Form von mysteriösen Kästen auf, Ziegelsteine formen eine markante Linie und Stahlmonumente glitzern silbern oder geben sich matt und rostrot. Auch Kunststoff kommt zum Einsatz, beispielsweise in Form von weißen PVC-Streifen, die vorhandene Linien nachziehen und den Blick lenken. Diese "Markierungen" stammen von Hildegard Büchner, die wie alle teilnehmenden deutschen Künstler zur Belegschaft des "Atelierhauses Aachen" gehört. Dessen Leiter, Horst Hambücker, war gemeinsam mit Susanne Ladwein, die das Kulturkoordinationsbüro der Regio Aachen leitet, Ansprechpartner der belgischen Veranstalter. Die Provinz Lüttich demonstriert mit dieser von der EU geförderten Ausstellung, welche kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten die Euregio birgt.