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Aachen: Schlagabtausch im Irrgarten der Gefühle

Aachen : Schlagabtausch im Irrgarten der Gefühle

Leise, fast zart und doch eindringlich belebt eine Schallplatten-Melodie die Stille. Die Stille wenige Sekunden vor der Premiere einer Aachener Erstaufführung.

Die Klänge stammen von Edward Elgars „Enigma Variationen”, deren musikalisch umgesetztes Thema bis heute genauso undurchsichtig bleibt wie das Theaterstück, in das sie einführen. „Enigma” steht für das Rätselhafte und ist der Titel des neuen Stücks des Das Da Theaters. Anlehnend an die 1899 von Elgar komponierten „Enigma Variationen” schrieb der französische Bühnenautor Eric-Emmanuel Schmitt das gleichnamige und 1996 in Paris uraufgeführte Bühnendrama, das sich um eines der wohl größten Rätsel der Welt dreht - die Liebe.

Leben eines Einsiedlers

Doch gerade der scheint sich der Literaturnobelpreisträger Abel Znorko (Uwe Brandt) entledigt zu haben. Er lebt lieber zurückgezogen und alleine mit seinen Büchern und Gedanken auf einer Insel vor Norwegen. Er führt das Leben eines Einsiedlers, bis der Journalist Erik Larsen (Mustafa Eren) mit einem Knall in sein Leben tritt. Und der Knall stammt aus Znorkos Pistole, mit der er dem Gast einen gebührenden Empfang auf seiner kleinen Insel bereitet.

Der Schuss ertönt, unterbricht die von der Musik untermalte Stille, und mit dem Knall geht auch das Licht an und gibt die Sicht auf die Bühne frei - die Sicht auf Znorkos kleine Welt (Bühnenbild: Frank Rommerskirchen). Lässig, süffisant, teils überheblich begrüßt Znorko den durch den Schuss eingeschüchterten Reporter der „Nobrowsniker Nachrichten”, dem er als einzigen einen Interviewtermin gewährt hat. Anlässlich Znorkos neu erschienenen Buchs, das den Briefverkehr eines Liebespaares beinhaltet, will Larsen mehr über die geheimnisvollen Brieffreunde wissen. Ist es Znorko, der die Briefe schrieb?

Wer ist die Frau, die hinter den sehnsuchtsvollen und leidenschaftlichen Liebesschwüren steckt? Doch der große Abel Znorko hat seine eigenen Vorstellungen von einem Interview und lässt sich nicht so leicht in die Karten blicken. Mehr als einmal will der Journalist die Insel verlassen, doch das weiß der Schriftsteller zu verhindern. Es ist mehr als ein Interview, weshalb er Larsen Zutritt zu seiner Insel gewährt hat. Doch Larsen will mehr als ein paar zitierfähige Sätze.

Die Stimmung wird geladen, die Rollen werden neu gemischt. Das Gespräch wandelt sich von einem Schlagabtausch der Pointen zu einem spannungsgeladenen Duell über die Liebe. Die Liebe steht im Mittelpunkt des Gesprächs auf der kleinen Insel. Von Euphorie und Glück über Eifersucht und Scham bis hin zu Trauer und Verzweiflung - all diese Gefühle können durch Liebe erzeugt werden und beherrschen zeitweise die beiden Protagonisten, die das Rätsel der Liebe verbindet und nicht mehr loslässt.

Nicht mehr losgelassen hat das Premierenpublikum vor allem die Wirkung des ebenso amüsanten wie erschreckenden und berührenden Dialogstücks, das als seichte Komödie beginnt, wie ein spannender Krimi weitergeht und in einem menschlichen Drama endet. Uwe Brandt und Mustafa Eren führen das Publikum während ihres 90-minütigen Dialogs in einen Irrgarten des Fühlens, Hoffens und Denkens.

Einfühlsam und authentisch verkörpern die beiden Schauspieler in der Inszenierung von Tom Hirtz die vielseitigen Facetten ihrer Charaktere, lassen den Emotionen freien Raum und führen die Zuschauer immer näher an das Geheimnis des mysteriösen Briefwechsels heran.

Enigma wird bis zum 18. Dezember immer donnerstags bis sonntags, jeweils um 20.30 Uhr, im Das Da Theater an der Liebigstraße aufgeführt. Karten unter Tel.0241/161688 (Mo.-Fr. 10-15 Uhr).