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Aachen: Schimanski unter Mordverdacht

Aachen : Schimanski unter Mordverdacht

Dass der mal gegen Johannes Heesters den Kürzeren ziehen würde! Wegen der Gala zum 100. Geburtstag des Dinos vom Maxim wurde die von Schimanski-Fans sehnsüchtig erwartete neue Episode aus dem Programm geworfen.

Am Sonntag (11. Januar, ARD 20.15 Uhr) lüftet der Duisburger Ex-Kommissar nun endlich "Das Geheimnis des Golem". Unser Redakteur Ulrich Simons hat den Film vorab gesehen.

Im Alter wird der Mensch ruhiger. Auch Schimanski. Früher wusste man meist nach einer Viertelstunde, wo die Linie verlief. Der mit der Jacke war der Gute, die Bösen wurden verdroschen, und wenn es mal nicht so lief, brüllte Schimanski aus tiefster Seele "Scheiße!" Zuletzt sogar am Flugdrachen baumelnd. Das kapierte jeder.

Im neuen Streifen "Das Geheimnis des Golem" ist die Welt nicht mehr so einfach: Schimanski gerät unter Mordverdacht, wird entführt und malträtiert, und wenn er gleich zu Anfang im Gespräch mit Freundin Marie-Claire sein Lieblingswort gebraucht, schwingt da nicht mehr die Aggressivität früherer Jahre mit, sondern eher Verzweiflung und Resignation.

Köstliches Finale

Doch die Wandlung des Horst Schimanski geht weiter: Wie Sean Connery als James Bond in "Sag niemals nie" oder Clint Eastwood als alternder Bodyguard in "In the Line of Fire" geht Götz George zu seinem anderen Ich mitunter auf augenzwinkernde, ironische Distanz, was der Entwicklung der immerhin mehr als 20 Jahre alten Figur gut tut und ihr ein paar ganz neue Facetten verleiht. Köstlich das Finale, wenn Schimmi aus dem Rollstuhl klettert und am Arm seiner Freundin humpelnd über die Vorzüge der Beschneidung sinniert!

"Das Geheimnis des Golem" spielt sowohl im jüdischen Antwerpen (genau hinschauen: die Szenen rund um das "Rosenfeldts" wurden in der Aachener Pontstraße gedreht) als auch in Duisburg und reicht zurück in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Es geht um ein Bonbonpapierchen mit seltsamen Zahlen und um die Jagd nach einem geheimnisvollen Notizbuch mit den verschlüsselten Daten von Nummernkonten, die österreichische Juden noch kurz vor dem Krieg in der Schweiz angelegt hatten. Eine fesselnde Geschichte mit einem in mehrfacher Hinsicht überraschenden Ausgang.

Regisseur Andreas Kleinert zeigt die jüdische Welt und ihre Rituale in packenden Bildern und hat aus der nicht einfach zu durchschauenden Story von Mario Giordano einen atmosphärisch dichten und über weite Strecken "dunklen" Fernsehfilm gemacht, der die Feinheiten seiner Lichtstimmungen wohl noch besser im Kino hätte ausspielen können.

Oft allein gelassen

Allerdings bleibt die gute Absicht, tiefere Einblicke in das Judentum zu gewähren, oft im Ansatz stecken, wenn der Zuschauer mit den fremden Gebräuchen und Ritualen - wie z.B. dem Anlegen der Gebetsriemen - ohne Erklärungen alleine gelassen wird.

Neben den alten Bekannten Götz George (Schimanski), Denise Virieux (Marie-Claire) und Chiem van Houweninge (Hänschen) hinterlässt vor allem die "jüdische Abteilung" tiefe und nachhaltige Eindrücke. Nikolaus Paryla als verängstiger Jude David Rosenfeldt und der 83-jährige Otto Tausig als Rabbi Ginsburg liefern großartige schauspielerische Leistungen ab, besonders packend und intensiv immer dann, wenn die Kamera in einer der vielen Naheinstellungen auf den Gesichtern der Akteure verweilt. Nina Kunzendorfs Jüdin Lea Kaminski bleibt bis zum Ende des Filmes gleichermaßen faszinierend wie rätselhaft.

"Das Geheimnis des Golem" ist ein ungewöhnlich ruhiger und intensiver "Schimanski", ein Film, der sich in all seiner erschütternden Vielschichtigkeit und seinen Facetten wohl erst beim zweiten oder dritten Betrachten erschließt. Tipp daher: Aufzeichnen und noch mal in Ruhe anschauen.