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Schikane: Drei Meter für 350.000 Euro

Schikane: Drei Meter für 350.000 Euro

Nürburgring (an-o) - In der Formel 1 geht es bekanntlich um Kleinigkeiten. Auf der Piste zählen Tausendstel Sekunden und daneben jeder Cent. Das ist auf dem Nürburgring nicht anders.

So sorgen vor dem Großen Preis von Europa am Sonntag (14 Uhr/RTL und Premiere live) sage und schreibe drei Meter für Gesprächsstoff. Drei läppische Meter von insgesamt 5148 Metern, die der Grand-Prix-Kurs in der Eifel lang ist. Eine Winzigkeit also. Kürzer als der Weg vom Bett bis unter die Dusche in bundesdeutschen Durchschnittswohnungen. Und viel, viel weniger als die Entfernung, die Schumi-Fans während des Rennens in den zahlreichen Werbepausen zwischen Sofa und Kühlschrank zurücklegen werden.

Um diese drei Meter geht´s also. Denn sie ergeben sich aus den Umbauarbeiten am Ring. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Mercedes-Arena am Ende der Zielgeraden um 12 Meter kürzer geworden, während die NGK-Schikane (benannt nach einem Zündkerzenhersteller) kurz vor der Zielkurve nun 15 Meter länger ist. Macht unterm Strich: drei Meter mehr.

Langsamer und sicherer

Nicht der Rede wert? Von wegen. Schließlich kostete der Umbau insgesamt 350.000 Euro. Die Veränderung der NGK-Schikane, die nun spitzwinkliger verläuft und damit langsamer und sicherer sein soll, schlägt dabei mit etwa 175.000 Euro zu Buche. Und das ist keine Kleinigkeit. Oder doch? Schließlich sorgt kein Geringerer als Michael Schumacher, der die Änderung der Schikane als Sprecher der Fahrergewerkschaft angeregt hatte, für die Finanzierung der Kurve.

Der Weltmeister wird voraussichtlich am 7. September auf dem Nürburgring für Autogramme, Demorunden und als Testchauffeur für die Fans zur Verfügung stehen. Mit dem Eintritt in Höhe von 29 Euro pro Karte wird der Umbau finanziert. Kommt mehr zusammen, geht dies an einen wohltätigen Einrichtung.

"Wenn man so eine Hilfe bekommt, greift man natürlich gerne zu", sagt Walter Kafitz, der Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH, dazu. Und was meint Schumachers Konkurrenz? "Bislang konnte man über die Randsteine die Strecke abkürzen, worunter die Aufhängung sehr gelitten hat", erinnert sich Heinz-Harald Frentzen an die alte Streckenführung. "Wenn die Autos nun sicherer durch die Schikane kommen, dann ist das doch gut", so Frentzen, der seinem weltmeisterlichen Kollegen die "Schumi-Kurve" gönnt: "Ist doch toll, wenn der Nürburgring und Michael davon profitieren." Auch Frentzens Sauber-Kollege Nick Heidfeld wirft Schumacher keinen Egoismus vor: "Ich glaube kaum, dass Michael eine Kurve so umbauen kann, dass nur er davon profitiert. Ich glaube, dass man dort nun besser überholen kann und das gefällt mir auch."

Jungfräuliche Kurve

Gefahren ist die neue Kurve im übrigen noch kein Formel-1-Pilot. Das geschieht erst heute im Zeit- und ersten Qualifikationstraining. Dann wird man wissen, welche Auswirkung die besagten drei Meter haben. Wahrscheinlich nur kleine. Aber darum geht´s ja in der Formel 1.