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Köln: Scharfe Sauce aus dem Sumpf

Köln : Scharfe Sauce aus dem Sumpf

William Borsay hat Höhen und Tiefen durchlebt. Mal war sein Soundtrack zum Film „The Princess Bride” für den Oskar nominiert, mal stand er ohne Plattenvertrag da. Er wurde als bester Sänger des Jahres geehrt, verfiel dem Heroin, schuf die Filmmusik zum Mehrteiler „Der Schattenmann”, machte Schulden in Millionenhöhe und verlor schließlich in der Flutkatastrophe von 2005 sein Haus in New Orleans.

Doch der gebürtige New Yorker ist nicht kaputt zu kriegen. Zurzeit ist William Borsay alias Mink deVille alias Willy DeVille wieder voll auf der Höhe.

Davon konnten sich die Fans jetzt im komplett ausverkauften Kölner E-Werk überzeugen. DeVille und seine Band - Darin Brown (Piano), Mark Newman (Gitarre), Bob Curiano (Bass), Boris Kinberg (Percussion), Shawn Murray (Drums) nebst Backgroundsängerinnen - präsentierten sich 100 Minuten lang in Bestform.

Ihre Musik entspricht der Vielfalt der Gene, mit denen das Phänomen DeVille aufwarten kann - unter seinen Vorfahren finden sich Basken, Iren, Franzosen und Indianer. Es ist eine Mischung aus Rhythm´n Blues, Cajun und Rock ´n´ Roll, New Orleans-Jazz, Salsa und Zydeco, der wiegenden Musik der Menschen, die im Delta des Mississippi leben.

Eine scharfe Sauce aus dem Sumpf, mit Schwung, Temperament und Kraft, die in die Beine geht und heiß direkt ins Herz schießt. Wer hierbei still stehen kann, weiß nicht, was Rhythmus ist. Getragen wird dieses aufregende Klang-Potpourri von DeVilles Stimme. Ein herrlich dreckiges Timbre, rau, roh und erdig, gepaart mit einem sinnlichen Schmelz, der unter die Haut geht.

Statt hauptsächlich Stücke von seiner ganz frischen neuen CD „Pistola” zu präsentieren, spielt sich der Mann mit dem Furchengesicht und dem hoch aufgetürmten schwarzen Haarschopf durch alle Stationen seiner mehr als 30-jährigen Bühnenkarriere.

Nach dem Einstieg mit „So So Real” von der fast noch druckfrischen CD sind das Stücke wie „Chieva”, „Venus Of Avenue D” und „Demasiado Corazon”, „Hey! Joe” und - unverzichtbar - „Spanish Stroll” sowie „Italian Shoes”. Begeistert gehen die Menschen mit, überlassen sich ganz dem vibrierenden, tänzelnden Zauber. Willy DeVille genießt das sichtlich. Und der inzwischen 57-Jährige sieht dabei, aus der Nähe betrachtet, richtig gut aus. Mit William Borsay geht´s bergauf. Mal wieder.

Tipp: Wer das Konzert im E-Werk verpasst hat, kann Willy DeVille und seine Band am Samstag, 19. Juli, open air auf dem Bonner Museumsplatz erleben.