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Aachen: Ruhrtriennale mit einem neuen Entwurf

Aachen : Ruhrtriennale mit einem neuen Entwurf

Am 9. August startet im Ruhrgebiet das Kulturfestival Ruhrtriennale mit einem internationalen, spartenübergreifenden Programm. Über die Kontroverse um die schottische Band Young Fathers wollte Intendantin Stefanie Carp im Vorfeld der Programmvorstellung im Aachener Ludwig Forum nicht sprechen.

Die Veranstalter hatten vor einigen Wochen angekündigt, die eingeladene Band wieder vom Programm zu streichen, sollten die Young Fathers nicht ihre Unterstützung für die israel-kritische Kampagne BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) beenden. Als daraufhin sowohl die Young Fathers als auch weitere Bands ihre Teilnahme abgesagt hatten, ruderten die Veranstalter zurück und stellten ihre Forderungen ein. Für ihre Inkonsequenz hatte Carp viel Kritik geerntet.

Das Konzert am 18. August entfällt also. Stattdessen wird es nun eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Freiheit der Künste / Freedom of Speech“ („Meinungsfreiheit“) geben. Das Fehlen der schottischen Gruppe halte sie nicht für wesentlich, sagte Carp. Die Pop-Sparte mache schließlich nicht den Kern der Ruhrtriennale aus.

Der Dreh- und Angelpunkt, den die Intendantin für die kommenden drei Festivals gesetzt hat, liegt bei den Themen Vertreibung, Migration und gesellschaftliche Teilhabe. „Mit dem Oberthema ‚Zwischenzeit‘ meine ich, dass wir zur Zeit noch die Chance haben, einen neuen Entwurf für unsere westlichen Gesellschaften zu gestalten. Einen Entwurf des Teilens, Abgebens und Reduzierens, der den von uns Kolonisierten etwas zurückgibt, damit wir alle gemeinsam als Menschen überleben können.“ Die Schlüsselthemen werden aus unterschiedlichen, insbesondere außereuropäischen Perspektiven betrachtet.

Die südafrikanische Choreografin und Tänzerin Mamela Nyamza setzt sich mit der Performance „Black Privilege“ in der Essener Zeche Zollverein mit der ständigen Be- und Verurteilung in der Gesellschaft auseinander. Musiker und Zeichner aus Istanbul, Beirut und Kairo präsentieren im Rahmen der Maschinenhaus-Konzerte ambitionierte audiovisuelle Werke.

William Kentridge beschäftigt sich in der Festival-Eigenproduktion „The Head and the Load“ in der Kraftzentrale im Duisburger Landschaftspark mit der Rolle Afrikas im Ersten Weltkrieg. In einem sechsstündigen Modellrundgang inszeniert Mariano Pensotti eine im Besitz einer Firma befindliche Privatstadt im argentinischen Dschungel. „Die Auswahl der Produktionen soll auch der Erweiterung des ästhetischen Horizonts dienen.

Man habe die Künstler nach ihrer Bereitschaft ausgewählt, sich mit den besondern Spielstätten der Industriekultur auseinanderzusetzen, erklärte Carp: „Die Räume der Industriearchitektur setzen einem etwas entgegen. So entsteht ein Dialog zwischen der Geschichte eines Raumes und dem, was Künstler dort tun. Die Ruhrtriennale sollte experimentell sein.“