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Köln: RTL sucht kreatives Flair am rechten Rheinufer

Köln : RTL sucht kreatives Flair am rechten Rheinufer

Baulärm, Schuttberge und Staub, der in den Augen brennt. Stützgerüste ragen an den Wänden empor. Im Hintergrund wütet die Abrissbirne. Bagger und Lastwagen fahren schwer beladen hin und her.

Seit Dezember vergangenen Jahres wird am rechten Kölner Rheinufer abgerissen, abgetragen, aber auch bewahrt: Hinter den historischen Backsteinfassaden der früheren Messehallen entsteht ein hoch modernes Medienzentrum. Hauptmieter des 160.000 Quadratmeter großen Bürogeländes wird der Privatsender RTL. Die bisherige RTL-Zentrale im Kölner Westen sei zu klein geworden, sagt Unternehmenssprecherin Bettina Klauser. „Außerdem soll in den Rheinhallen die bisher auf mehrere Gebäude in verschiedenen Stadtteilen von Köln verteilte RTL-Senderfamilie unter einem Dach vereint werden.”

Peter Kloeppel wird also künftig vom Rheinufer aus die Nachrichten moderieren, n-tv rund um die Uhr informieren, VOX Spielfilme senden und Super RTL Kinderprogramme ausstrahlen. Obwohl es scheint, als walteten am Deutzer Ufer bloß rohe Kräfte, muss vorsichtig gearbeitet werden. Die denkmalgeschützte Fassade des Messezentrums aus den zwanziger Jahren wird völlig konserviert. Die üblichen Eindrücke einer Großbaustelle kann der Messebesucher daher nur erahnen: Das Baugelände ist gleich doppelt umzäunt - durch einen normalen Bauzaun und die historischen Mauern. „Ich finde es gut, dass man die alte Fassade erhält. In Köln sind schon zu viele alte Gebäude abgerissen worden”, urteilt eine Passantin.

Nach den Plänen eines Düsseldorfer Architekturbüros wird deshalb nur der Innenraum des ehemaligen Messegebäudes abgerissen und neu gestaltet. Die Außenmauern werden später noch an die historischen Rheinhallen erinnern. Die bisherigen Zelte im Kölner Westen wird RTL voraussichtlich 2008 abbrechen und auf die rechte Rheinseite wechseln.

Lange Zeit war unklar, ob RTL in der Domstadt bleiben und das neue Bürogelände „Rheinpark-Metropole” beziehen würde. „Wir wollten RTL nicht einfach kampflos ziehen lassen”, sagt die städtische Presse-Sprecherin Inge Schürmann zum Bemühen um den Sender. Denn der drohende Weggang hätte einen „eminenten wirtschaftlichen Schaden” für Köln bedeutet, sagt Schürmann.

Um diesen Schaden abzuwenden und um sich gegen den Konkurrenzstandort Hürth südwestlich der Domstadt zu behaupten, hatte Köln mehrere Vorschläge gemacht. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, da Hürth ebenfalls ein attraktives Angebot abgegeben hat”, sagt Klauser. Ausschlaggebend seien letztendlich die RTL-Mitarbeiter gewesen: In einer internen Abstimmung hätten sie sich mehrheitlich für die Rheinmetropole ausgesprochen.

Die gemietete Fläche von 80.000 Quadratmetern wird der RTL-Gruppe nicht nur genügend Platz für Studios und Büros bieten, sondern sie erfüllt auch „ein hohes technisches Niveau”, sagt Klauser. Für den neuen Sendestandort auf der rechten Rheinseite ebenfalls entscheidend sei neben einer guten Infrastruktur und Verkehrsanbindung auch ein „kreatives Flair” gewesen.

Was aber passiert mit den anderen 80.000 Quadratmetern Bürofläche? Für diese hat sich laut Angaben der Stadt Köln bisher noch kein Mieter gefunden. Deshalb scheint die Euphorie der Domstädter im Hinblick auf den kostspieligen Umbau auch ein wenig getrübt.

Der Umbau hinterlässt trotzdem einen bleibenden Eindruck: Auch wenn die gesamten Rheinhallen eingezäunt sind und alles wie ein großer Sicherheitsbereich erscheint, kann man durch die filigran wirkenden Fassaden einen strahlend blauen Himmel und den Rhein sehen. Dem Betrachter wird klar, dass „die Hallen hierher gehören” wie ein alter Mann auf der Brücke sagt. Köln hätte eine Besonderheit seines Panoramas eingebüßt, wäre das Messegebäude komplett abgerissen worden. Bei diesem Anblick sind Baulärm, Schuttberge und Abrissbirne beinahe vergessen.