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Aachen: Roncalli bekennt sich zu seinen Wurzeln

Aachen : Roncalli bekennt sich zu seinen Wurzeln

Leise schwingen die Klänge des Roncalli-Royal-Orchester im Herausgehen nach. Die Premiere ist vorbei, doch auch der nächtliche Platzregen reißt die Besucher nicht aus ihrer Beschwingtheit. Kostproben: „Es war so wunderbar einfach.” „Und dabei so schön.” „Ich habe wieder ein Stück Kindheit erlebt.”

Ja, Direktor Bernhard Paul geht 30 Jahre nach Gründung von Roncalli konsequent zurück an die Wurzeln seiner circensischen Poesie. Zehn Tage blieben dem 59-jährigen Österreicher vor der Uraufführung in Aachen, aus neu verpflichteten Top-Artisten und -Humoristen von Lateinamerika bis Russland ein Ensemble zu schmieden. Und eine Geschichte für seine „Traumfabrik” im Zelt mit knapp 1500 Plätzen zu schreiben. Um es vorweg zu sagen: Das Werk ist gelungen.

Zwei Kilometer Zäune schützen das Roncalli-Dorf am Aachener Blücherplatz vor der wirklichen Welt. In dieser Phantasieoase entführt der Circus seine Gäste ins Reich von Lachen und Tränen, Magie und Staunen, Nervenkitzel und Entspannung. Moderne Gaukler aus vielen Nationen, Kulturen und Religionen demonstrieren die Lebenskraft spielerischen Miteinanders.

Natürlich. Auch diesmal hat Roncalli seinen Star: David Larible, Träger des „Goldenen Clown” von Monte Carlo, 13 Jahre in den USA Hauptfigur im „Ringling Bros. And Barnum & Bailey”, dem größten Circus der Welt. Der Italiener - übrigens ein Schwager von Bernhard Paul - spielt nicht vor, sondern mit dem Publikum. Ob als Tolpatsch, Ballerina, kindischer Wasserspucker oder Chef eines Panikorchesters: Larible bleibt bis zum kleinsten Zwinkern nur scheinbar unbeholfen, launig, schlitzohrig-harmlos - und dabei fortwährend ansteckend komisch.

Ohnehin ist die Show stark clownesk geprägt, dafür sorgen auch der schmelzend Geige spielende Gensi und sein katalanischer Kompagnon Oriol sowie insbesondere der russische Comedian Konstantin Mouraviev beim Versuch, auf einem Rhönrad seine Pfunde los zu werden. Schnell nimmt das Jubiläums-Programm an Fahrt auf - wenn auch zuweilen an Tempo und Übergängen sicher noch gefeilt werden kann.