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Aachen/Stolberg: Richter bekundet Angst vor der Zukunft der Jungen

Aachen/Stolberg : Richter bekundet Angst vor der Zukunft der Jungen

Nicht jeden Tag hat selbst ein erfahrenes Gericht, wie es die 1. Große Jugendkammer am Aachener Landgericht unter Vorsitz von Dr. Gerd Nohl ist, eine solche Phalanx von Jugendlichen vor sich sitzen, die im Alter von 15 bis 19 Jahren bereits so viel auf dem Kerbholz haben.

Die Jugendstrafen, die die Kammer am Mittwoch verkündete, richteten sich weitgehend nach den Anträgen der Staatsanwaltschaft. So bekam Haupttäter Hasan Y. (15) aus Stolberg, der sein Messer in der Sommernacht des 26. August gezogen hatte und so heftig zustach, dass erst nach der Intervention eines Kumpels von dem Opfer abließ, die höchste Strafe wegen versuchten Totschlags - drei Jahre und zehn Monate muss er einsitzen.

Dann folgte sein Bruder Serdar, der in schnellster Rückfallgeschwindigkeit einen Diebstahl und eine Körperverletzung ins Verfahren mitbrachte. Er bekam zwei Jahre Jugendstrafe, über eine Bewährung wird jedoch erst in einem halben Jahr entschieden.

Mit einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung kam ein weiterer Mitprügler bei seiner Straf-Vorgeschichte noch gut weg, der dritte der Brüder Y. war kaum vorbelastet und kassierte einen zweiwöchigen Arrest. Das Opfer allerdings war beileibe nicht ohne, reiste mit einem so genannten „Totschläger”, einem Teleskopstock aus Stahl, an, um die dreisten Jugendlichen einmal richtig „Mores”, gute Sitten also, zu lehren.

Die alkoholisierte Truppe hatte sich anzüglich an seine Freundin herangemacht. Die wehrte sich, telefonierte Hilfe herbei. Das Geschehen eskalierte, als der Jüngste, Hasan, geschwisterliche Schützenhilfe aus der Halle herbeiholen ließ. Plötzlich umringten den Frauenrächer 30 Jugendliche, aus deren Mitte heraus die vier Angeklagten zur brutalen Gewalt griffen. Staatsanwalt Oliver d´Avis hatte bereits in einem ausgezeichneten Plädoyer versucht, gesellschaftliche Hintergründe der Taten aufzuzeigen.

Auch Richter Nohl stellte am Mittwoch in seiner Urteilsbegründung ein erschreckendes Maß von Perspektivlosigkeit gepaart mit unglaublicher Respektlosigkeit der Jugendlichen fest. Nohl bekundete eine „gewisse Angst”, die einen beschleicht, „wenn man an die Zukunft” der auf der Anklagebank des Schwurgerichtssaals schmorenden Jugendlichen denke.

Nohl prangerte ebenso als „demütigend” an, dass Lehrer die Jungen ihren Klassenkameraden durch einen Besuch im Saal zur Schau stellten: „Pädagogische Gründe gibt es hierfür nicht.”