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Aachen: Revolution der Drucktechnik

Aachen : Revolution der Drucktechnik

Albrecht Dürer trug den schwarzen Gürtel im Holzschnitt, Rembrandt in der Radierung und Goya unbestritten in der Aquatinta - eine im 18. Jahrhundert entwickelte revolutionäre druckgrafische Technik, die es erstmals erlaubte, in flächenhaften Dimensionen Halbtöne zu entwickeln und Drucke von malerischer Ausdruckskraft herzustellen.

Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum widmet dieser künstlerischen Disziplin jetzt eine Ausstellung unter dem schönen Titel „Aquatinta oder Die Kunst mit dem Pinsel in Kupfer zu stechen”.

Die Schau wird übernommen von den Kunstsammlungen der Veste Coburg, wo sie von der Leiterin des dortigen Kupferstichkabinetts, Christiane Wiebel, aus eigenen Beständen zusammengestellt wurde.

Nahezu gleichzeitig kommen Kupferstecher in England, Frankreich und Holland auf den Trichter, wie man Blätter druckt, die am Ende so flüchtig hingeworfen aussehen wie Tuschezeichnungen: Indem die Druckplatte bestäubt und erhitzt wird, so dass sich eine Art körniger Lack bildet, durch den Säure dringen kann, um das Metall flächig zu verätzen. Als eigentlicher Erfinder gilt der Franzose Jean Baptiste Leprince.

Die Ausstellung beginnt mit didaktischen Vitrinen und typischen Utensilien der „Aquatinta”-Meister. Der Begriff meint so viel wie „in Tuschmanier durch Gebrauch von Säure”.

In zwei weiteren Räumen belegen nach geografischen Gesichtspunkten geordnete Blätter zunächst den zuvorderst reproduzierenden Einsatz der Aquatinta - etwa einer Zeichnung von Tiepolo.

Bei Jean-Claude Richard wird 1765 zum Beispiel der von Tiepolo viele Jahre zuvor gepinselte „Trunkene Pulcinello” zum vervielfältigbaren Aquatinta-Druck - zur Freude des sich gerade entwickelnden Kunstpublikums.

Höhepunkt der Schau ist der Zyklus „Capricho” von Goya, wo der berühmte Sohn einer verarmten Landadeligen die Aquatinta in künstlerisch eigenständigen, vornehmlich düsteren Darstellungen des sozialen Lebens gipfeln lässt.