1. Kultur

Aachen: Reise durch jüdische Geschichte

Aachen : Reise durch jüdische Geschichte

So mancher Leser, auf der Suche nach neuen Erzählerstimmen, wird sich bei der Lektüre von „Alles ist erleuchtet” die Augen reiben.

Wie kann ein Mittzwanziger solch ein gleichsam todtrauriges, urkomisches und weises Buch schreiben?

Vielleicht gibt Jonathan Safran Foer am Sonntag ja eine Antwort darauf, wenn er im Rahmen der lit.Cologne in Aachen (Mayersche Buchhandlung, Forum M, 12 Uhr) sein Buch verstellt.

Foer ist mehr als nur eine Stimme unter vielen. Er setzt sich mit seinem frisch-originellen und nicht zuletzt polyphonen Romandebüt ab von der trüben Buchstabensuppe zahlreicher literarischer Gehversuche.

Das neue amerikanische Wunderkind, das für die Zukunft nichts Minderes im Sinn hat, als den Roman neu zu erfinden, nimmt den Leser mit auf eine komplexe Zeitreise durch 200 Jahre jüdischer Geschichte, in deren historischem Mittelpunkt der Holocaust steht.

Ein Amerikaner, der zufällig Jonathan Safran Foer heißt, macht sich in den 90er Jahren in die Ukraine auf, um den Menschen zu suchen, der seinen Großvater vor den Nazis gerettet hat.

Erzählt wird die Geschichte von seinem Dolmetscher Alex, der mit seinem Großvater den Amerikaner begleitet, aber nur mehr schlecht als recht dolmetschen kann. Aus seinem Unvermögen resultieren aberwitzig absurde Dialoge des Nichtverstehens und Schilderungen in sprachlicher Schieflage in Folge seiner Odyssee durch Wörterbücher.

Parallel arbeitet Jonathan an der fantastischen Geschichte der Heimatgemeinde seiner Vorfahren, dem Schtetl Trachimbrod. In grellen Farben füllt er das jiddische Leben, ohne die schwarzen Momente zu vergessen.

Und so irren die drei durch Gegenwart und Vergangenheit, um ihren jeweiligen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Erst wenn sich beide Erzählstränge 1941 in dem Nichts, das von Trachimbrod übrig bleiben wird, treffen, wird einiges, wenn nicht gar alles erleuchtet.

Foer begegnet dem Grauen des Holocaust als Vertreter der Enkelgeneration mit Respekt, scheut aber vor Witz nicht zurück. Humor und Tragik, Leben und Tod sind oft nur durch ein Komma voneinander getrennt. Ein fulminantes Debüt von erheiternder Leichtigkeit und bedrückender Schwere zugleich.