1. Kultur

Bonn: Reformation als Historienschinken

Bonn : Reformation als Historienschinken

Es war der Film „Quo vadis”, der dem damals gerade 30-jährigen Schauspieler Peter Ustinov zum internationalen Durchbruch verhalf.

1951 spielte er in dem Monumentalepos den debilen römischen Kaiser und Christenverfolger Nero.

Über 50 Jahre später ist der Brite wieder in fürstlicher Rolle auf der Leinwand präsent, diesmal allerdings als Christenfreund.

Im Film „Luther”, der am 30. Oktober, dem Vorabend des Reformationstages, in Deutschland anläuft, spielt der heute 82-jährige Schauspieler Friedrich den Weisen, also jenen Kurfürsten von Sachsen, der Martin Luther auf der Wartburg versteckte.

Ein Reformationsspektakel mit Starbesetzung, die Geschichte Luthers ganz in Hollywood-Manier oder einfach nur als üppiger Historienschinken.

Die ersten Kritiken reagierten größtenteils wohlwollend auf das Werk des kanadischen Regisseurs Eric Till, das bereits seit dem 26. September in den amerikanischen Kinos zu sehen ist.

22 Millionen Euro hat der Film der Berliner Produktionsgesellschaft NFP gekostet, die Hälfte davon trägt die lutherische US-Versicherungsgesellschaft „Thrivent Financial for Lutherans”.

Der zweistündige Film zeigt das Leben des Reformators von seiner Entscheidung, Mönch zu werden, bis zum Augsburger Reichstag 1530, auf dem die deutschen Landesherren dem Kaiser die Stirn boten und Luthers Lehren nicht abschworen.

Möglichst nah an den historischen Begebenheiten soll der Film sein, auch wenn er nicht ganz ohne Fiktion auskommt.

Für den Rundfunkbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Pfarrer Bernd Merz, ist das kein Problem. „Es ist ein Spielfilm und keine Dokumentation.”

Über die evangelische Filmproduktionsfirma Eikon unterstützt die evangelische Kirche „Luther”. Es gehe darum, die Themen Luther und Reformation wieder ins Bewusstsein zu rufen, „Wissen, das nicht mehr da ist, auffrischen”, so Merz.

Im April 2002 begannen die aufwendigen Dreharbeiten. Die heutige Wartburg ist wegen der umfangreichen Renovierung besser in Schuss als zu Luthers Zeiten.

Als Ersatz musste schließlich die Veste Coburg für die Außenszenen herhalten.

Mit Uwe Ochsenknecht als Papst Leo X. oder Alfred Molina, bekannt aus „Chocolat”, als Ablasshändler Johann Tetzel wurde auch bei der Besetzung nicht gespart. Luther wird vom 33-jährigen Hollywood-Star Joseph Fiennes dargestellt.