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Köln: Rechtsradikalen bleibt in Köln nur die Flucht auf den Rhein

Köln : Rechtsradikalen bleibt in Köln nur die Flucht auf den Rhein

„Wo sind denn nun die Nazis?”, fragt eine weißhaarige Kölnerin ihre Freundin. Die beiden sitzen vor einem italienischen Eiscafé an der Hauptstraße des Vorortes Rodenkirchen. Vor ihnen hat sich eine Phalanx von Polizisten aufgebaut und versperrt ihnen die Sicht.

Man kann aber erahnen, dass dahinter irgendwer irgendwen über die Straße jagt, gefolgt von einem Haufen Mikrofonstangen, die über die Köpfe der Polizisten ragen.

Szenen wie diese gehören nicht zum Selbstbild der Rheinmetropole. Köln - das ist doch die Stadt des FC mit Spielern aus 15 Nationen. Doch an diesem Vormittag ist die Atmosphäre angespannt: Rechtsradikale verfolgen einen Ausländer, Linksautonome setzen einem Funktionär von Pro Köln nach.

Pro Köln, das ist die auch im Stadtrat vertretene Wählervereinigung, die für dieses Wochenende Rechtsradikale aus ganz Europa zu einem „Anti-Islamisierungskongress” eingeladen hat. Man spürt deutlich: Wenn die Polizei hier nicht mit Hundertschaften stünde, „dann ging es aber rund”, wie ein Cafébesucher es ausdrückt.

Mehrere Gäste rätseln, warum es Rechtsradikale und Linksautonome ausgerechnet nach Rodenkirchen verschlagen hat, in den gutbürgerlichen Stadtteil, in dem unter anderem der Maler Gerhard Richter wohnt. „Ich glaube, in der Innenstadt waren schon zu viele Demonstrationen, da mussten die hier hinkommen”, meint ein Rentner.

Tatsächlich hatte Pro Köln für diesen Freitag ursprünglich eine Pressekonferenz im Rathaus geplant, doch die Stadt argumentierte, dadurch werde etwa 60 Hochzeitspaaren der schönste Tag ihres Lebens verdorben. Wo die Rechtsradikalen auch anklopften, überall wurden sie abgewiesen.

Um eine Blockade durch Gegendemonstranten auszuschließen, hat Pro Köln schließlich ein Schiff angeheuert. Doch als es wegen Steinwürfen vorzeitig ablegt, stehen die meisten Journalisten noch am Ufer. Stundenlang tuckert das Schiff dann auf dem Rhein umher.

Im Stadtteil Ehrenfeld präsentiert sich unterdessen das andere Köln. Mehrere hundert Bürger haben sich vor der Zentrale der türkisch-islamischen Organisation Ditib versammelt, einem heruntergekommenen Barackenbau, der demnächst Platz machen soll für eine große Moschee.

Es wird keineswegs die größte Moschee in Deutschland oder auch nur in Nordrhein-Westfalen, wie es immer wieder heißt, aber dennoch ist das Vorhaben seit Jahren bundesweit in den Schlagzeilen.

Das liegt zum Teil an dem prominentesten Gegner der Moschee, dem jüdischen Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden Ralph Giordano (85). Er spricht von „Gigantomanie” und einer „Kriegserklärung an die Umwelt”. Auch in der örtlichen Bevölkerung gibt es viele Vorbehalte, sogar unter Türken.

Auch wenn kaum einer damit zitiert werden will, immer mal wieder ist zu hören, dass die Ditib die Millionen für den Repräsentationsbau besser für andere Dinge ausgeben könne, etwa eine gute Ausbildung der Kinder. Der türkische Taxifahrer Hussein Dogan (49), der seit 31 Jahren in Köln lebt, sagt an diesem Freitag, die Ditib könne auch ruhig mal etwas über „die ganzen Radikalen in der Türkei sagen” und nicht immer nur über die Rechten in Deutschland.

Dies aber ist nicht der Tag, um der Ditib Vorwürfe zu machen, meinen die Demonstranten in Ehrenfeld. „Tempel, Synagoge, Kirche, Moschee - alles ok”, heißt es auf einem der Transparente zwischen Luftballons und Fahnen. Kritik an der Ditib und anderen muslimischen Organisationen ist das eine, aber Rechtsradikale oder gar Nazis mitten in Köln - das ist etwas ganz anderes.