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Rechtspopulisten verklagen Ralph Giordano

Rechtspopulisten verklagen Ralph Giordano

Köln. Der Schriftsteller Ralph Giordano (84) ist von der rechtspopulistischen Partei pro Köln verklagt worden. „Ich habe eine Strafanzeige von pro Köln bekommen, weil ich gesagt habe, sie wären die lokale Variante des zeitgenössischen Nationalsozialismus, Leute, die, wenn sie könnten wie sie wollten, mich in eine Gaskammer stecken würden.”

Das sagte der jüdische Autor am Samstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Köln. Ein Anwalt von pro Köln bezeichnete Giordanos Äußerung in einem Brief an ihn als verleumderisch und kündigte „gerichtliche Schritte” an, falls er die Bemerkung nicht bis Donnerstag widerrufen sollte.

Giordano sagte dazu, er sehe dem Gerichtsverfahren „mit freudiger Erregung” entgegen und sei zuversichtlich, Recht zu bekommen. „Ich habe die Gestapo am eigenen Leibe erfahren, diese Leute hier können mich nicht ängstigen”, sagte er. Giordano hatte sich dagegen verwahrt, mit pro Köln in Verbindung gebracht zu werden, nur weil er sich gegen den geplanten Bau einer Zentralmoschee in Köln ausgesprochen habe.

Die SPD-Islambeauftragte und Bundestagsabgeordnete Lale Akgün lud Giordano daraufhin zu einer Diskussion über die Moschee und die Integration von Muslimen ein. „Die öffentliche Diskussion könnten wir in einem Kölner Café abhalten, ruhig in einem türkisch geprägten Viertel der Stadt”, schrieb sie.

Giordano lehnte dies jedoch am Samstag ab und verwies auf Morddrohungen, die er von radikalen Muslimen erhalten habe: „Ich gestehe, dass mir ein wenig unheimlich wurde, als ich Ihren Vorschlag zur Kenntnis nahm”, antwortete er in einem Schreiben. „So leicht möchte ich es meinen potenziellen Killern nun doch nicht machen.”