1. Kultur

Aachen: Rauhut und Esterhazy: Flasche leer, Köpfe voll

Aachen : Rauhut und Esterhazy: Flasche leer, Köpfe voll

Bis zum Grund der Rotweinflasche diskutieren. Kein Ziel von Tiefseetauchern, sondern von zwei geistreichen Höhenfliegern.

Und nach Mitternacht hatten es Paul Esterhazy und Burkhard Rauhut erreicht: der Glasboden in Sicht, Flasche leer und Köpfe voll.

Voll von Fragen. Denn bei der Pilotfolge der neuen Gesprächs-Serie „Gehirnakrobaten” im Mörgens-Café des Aachener Theaters wagten der Intendant und der RWTH-Rektor am Wochenende den Drahtseilakt.

Ihre grauen Zellen hüpften zwei Stunden lang munter zwischen Philosophie, (Meta-)Physik, Kunst und Quantenmechanik hin und her, balancierten behände auf dem Grat zwischen Glauben und Wissen, hangelten sich vom Menschen zur Rechen-Maschine und jonglierten locker mit genialen Einfällen von Descartes bis Stephen Hawking.

Kurzum: Theater-Profi und Mathe-Prof gelang etwas sehr Schwieriges - ein wissenschaftlicher Diskurs im Plauderton. Mit einer Gewissheit: „Wir werden nie alles erklären können.”

Das freie „Dilettieren im Gedankenfinden”

Eigentlich brauchten sie gar keinen Alkohol, um ihre Zungen zu lösen. Die zwei wurden schnell (miteinander) warm.

Esterhazy übernahm als zweifelnder Skeptiker den Part des Fragenden, ohne sich mit der Position des Dummen neben dem Gescheiten zu begnügen. Rauhut, ebenso eloquent, rang scharf analysierend nach Definitionen.

Schließlich kamen sie auch zum Thema Theater: Ein Plädoyer für sein Medium und die neue Reihe wollte sich der Intendant nicht verkneifen.

Für den Dialog als „Urtheater”, für das Theater als einen der wenigen Orte, wo sich Gehirne zusammendocken und das freie „Dilettieren im Gedankenfinden” noch möglich sei. Experiment gelungen - unterhaltsam und anregend.

Am 2. Mai um 22.30 Uhr wird Esterhazy im Mörgens-Café den nächsten Gast beim Gläschen Wein zum intellektuellen Plausch aufs Ideen-Drahtseil bitten.