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Würselen: Rasante Reise durch die Musik

Würselen : Rasante Reise durch die Musik

Sie kommen auf die Bühne wie eine Schar fröhlicher Studentinnen und Studenten - Jeans, T-Shirt, Strickjacke, Pullover.

Doch sobald die Berliner Band „17 Hippies” zum ersten Titel ansetzt, ist alles klar: Hier geht es um richtig gute Musik, um einen speziellen Sound, den sich die Profis, die seit sieben Jahren in ihrer Heimatstadt als Kultband gefeiert werden, mit einer künstlerischen Energie erarbeitet haben, die es ihnen ermöglicht, nun mit Leichtigkeit und Schwung die unterschiedlichsten Facetten beim Konzert auf der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein aufleuchten zu lassen.

Die kreative Kraft der „Hippies”, die hier in einer 13er-Formation auftreten, lässt sich bereits anhand ihrer Biographie dokumentieren: Die dritte CD („Ifni”) liegt vor, für Andreas Dresens Film „Halbe Treppe”, mit dem er einen Deutschen Filmpreis und den Silbernen Bären der Berlinale gewann, entwickelten sie die Filmmusik, zahlreiche andere Aufträge folgten.

Dennoch: Die Truppe hat nichts von ihrer natürlichen Dynamik eingebüßt. Und das Publikum liebt sie dafür, klatscht den komplizierten Elf-Achtel-Takt mit und ist hingerissen. Kein Wunder, denn hier sind Könner am Werk.

Die für eine moderne Band ungewöhnliche Instrumentierung mit Geigen, Klarinette, Kontrabass, Bandoneon, Ukulele, Akkordeon, Posaune und weiteren Instrumenten zwischen klassischer Besetzung und Folk sorgt für einen vielfarbigen Klang. Da schwingen wirkungssicher osteuropäisch-jüdische Elemente mit, gibt es Anklänge an irische und rumänische Volksmusik, folgt man orientalischen Arabesken, erinnert aber auch an Country- und Westernsongs.

Intensive Beziehungen zu Frankreich haben gleichfalls Spuren hinterlassen - ein paar freche französische Titel sind im Gepäck. Grandios entfalten sich die „Hippies”, wenn so richtig „die Post abgeht”, wenn der Zuschauer mit jedem neuen Solo eine Überraschung erlebt und alles, was diese Vollblutmusiker tun, wie ein Kinderspiel wirkt.

Sie singen, scherzen - und manchmal, wenn einer (oder eine) von ihnen sich besonders hingebungsvoll einer Passage widmet, wird ein magischer, orchestraler Gesamtklang erreicht und so sanft heruntergefahren, dass nur noch ein leichter Ton zwischen den Mauern schwingt. Das Publikum ist begeistert, feiert die „Hippies” und lässt sie erst nach mehreren Zugaben weiterziehen.