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Aachen: Raritäten aus der Schatztruhe beim Benefizkonzert für den Dom

Aachen : Raritäten aus der Schatztruhe beim Benefizkonzert für den Dom

Jugend war Trumpf beim 16. Benefiz-Konzert zur Erhaltung des Aachener Doms. Die Initiatoren Michael und Michaela Wirtz hatten mit der Wahl des Kammerorchesters Berg aus Prag wieder einmal einen guten Griff getan.

Die jugendlichen Musikerinnen und Musiker, die zum größeren Teil noch nicht der Musikhochschule entwachsen waren, spielten unter ihrem Dirigenten Per Vrábel mit einer Frische und einer Akkuratesse, die das Publikum im wieder gut besetzten Dom vom ersten Ton in ihren Bann schlugen.

Bis auf Antonin Dvoraks zauberhafte Streicherserenade bot das Programm weitgehend unbekannte Raritäten aus der Schatztruhe tschechischer Musik. Josef Suk, Schüler und später Schwiegersohn Dvoraks, oder die Barockkomponisten Jiri Ignác Linek, Jan Dismea Zelenka und Johann Baptist G. Neruda sind hierzulande eher Spezialisten als dem breiten Musikpublikum bekannt.

Das Kammerorchester aus Prag bewies bereits bei der Wiedergabe von Suks Meditation zu Beginn seinen kultivierten Musizierstil, der, von einem weichen Klangbild ausgehend dynamisch sorgsam ausgefeilt und äußerst differenziert war.

Bei Zelenkas Hypocondrie, der Form nach eine französische Ouvertüre, wie bei den folgenden barocken Konzerten, gesellte sich zu diesen Tugenden stilistische Kompetenz. Die Organistin Eva Bublovä spielte Lineks Orgelkonzert makellos und trotz der räumlichen Entfernung ohne Reibungsverluste mit dem Orchester.

Nerudas Trompetenkonzert fand in Marek Vajo einen tonschönen und technisch brillanten Solisten. Dvoráks so inspirierte wie heikle Streicherserenade wurde von dem jungen Ensemble mit bemerkenswerter spieltechnischer Souveränität und Intonationssicherheit gemeistert. Den Anschluss bildete das einzige kirchenmusikalische Werk des Abends.

Zelenkas Miserere c-Moll, für dessen Chorpart der Aachener Kammerchor gewonnen worden war. Das eigenwillige Stück faszinierte mit seinem harmonisch kühnen Beginn ebenso wie mit seinem verblüffenden Dominantschluss, der das Ende des Konzertes ein wenig in der Schwebe ließ. Dabei wurde der Kammerchor seiner Aufgabe stimmschön und technisch sicher gerecht.

Dirigent Vrábel hatte Gesamtapparat, zu dem auch noch die junge Sopranistin Tereza Mátlová gehörte, sicher unter Kontrolle.