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Düsseldorf: Ranickis Bilder aus dem Warschauer Ghetto

Düsseldorf : Ranickis Bilder aus dem Warschauer Ghetto

Auf abenteuerliche Weise hat das junge Ehepaar Marcel und Teofila Reich-Ranicki 1942 eine Mappe mit Zeichnungen aus dem Warschauer Ghetto schmuggeln können.

Als Zeugnisse des Leidens und Sterbens zahlloser Menschen sind die aquarellierten Blätter von Freitag an bis zum 18. Januar in der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte ausgestellt.

Die 16 Blätter des qualvollen Ghetto-Alltages hat das Ehepaar Reich-Ranicki ein halbes Jahrhundert unter Verschluss gehalten und erst vor wenigen Jahren veröffentlicht.

Über 400.000 Juden waren seit 1940 im größten Ghetto Polens zusammengepfercht, aus dem im Juli 1942 die Deportationen in die Todeslager begannen.

Zur gleichen Zeit fing die künstlerisch begabte „Tosia” an, Szenen ihrer direkten Umwelt im karikaturhaften Stil zu zeichnen und zu aquarellieren. „Umzug ins Ghetto” zeigt eine Familie, die ihre bescheidene Habe auf einem Karren verladen hat.

Der „Hungertod”, ein ausgemergelter Leichnam vor Stacheldraht, wird von Zeitungsseiten pietätvoll verdeckt. Dass hinter Ghetto-Mauern auch Leben und Liebe zum Alltag gehörte, belegt anrührend in einer der Ausstellungsvitrinen Erich Kästners „Lyrische Hausapotheke”.

Als frisch Verliebte hat Teofila Reich-Ranicki das unerschwingliche Gedichtbuch akribisch abgeschrieben, sorgsam illustriert und ihrem Marcel zum 21. Geburtstag geschenkt.