„Es hätte alles so schön sein können“ von Horst Evers: Raffiniert geklöppelter Irrwitz, lakonisch erzählt

„Es hätte alles so schön sein können“ von Horst Evers : Raffiniert geklöppelter Irrwitz, lakonisch erzählt

Eine Leiche, ein illustres Bordell auf dem platten Land und zwei schöne Frauen – das sind die Zutaten für eine aberwitzig-turbulente Geschichte aus der Feder des Kabarettisten Horst Evers.

In seinem neuen Roman „Es hätte alles so schön sein können“ dreht sich alles um das Erwachsenwerden in der idyllischen Tristesse Niedersachsens.

Eigentlich erlebt der 17-jährige Marco in einem kleinen Dorf inmitten von Kleinbauern und Hühnerhöfen eine beschauliche und wenig ereignisreiche Kindheit. Doch eines Tages nimmt die Idylle ein jähes Ende. Während er heimlich und mit einigem Sicherheitsabstand das Treiben des gut frequentierten Landbordells „Village Rouge“ beobachtet, fliegt ein Rocker in voller Ledermontur durchs offene Fenster. Marco sagt der schönen Frau aus dem Bordell seine Hilfe bei der Beseitigung der Leiche zu – und eine aberwitzige Geschichte nimmt ihren Lauf.

Kurz darauf stößt auch noch Marcos Lieblingsschulfreundin Mareike hinzu. Gemeinsam macht sich das Trio in dem Auto des Rockers – mit dessen Leiche im Kofferraum – auf den Weg, um alle Spuren zu verwischen und die Leiche, das Auto und einen blutüberströmten Stein verschwinden zu lassen. Warum, weiß erst mal keiner so recht, aber zum Erwachsenwerden ist das nun folgende Abenteuer offenbar ideal. Und es gibt Evers Gelegenheit, seinen schon legendären Feinsinn bei der Schilderung alltäglicher Fallstricke auszuspinnen.

Die abenteuerliche Tour führt durch den niedersächsischen Lappwald und an entlegenste Ecken des Landes. Ganz nebenbei erfährt der Leser viel über die Lebensweisheiten des Großvaters, die geheimen Leidenschaften der Mutter – und wie man als 17-Jähriger am besten Wildschweinen und Wölfen ausweicht.

Evers, gebürtiger Niedersachse, lebt in Berlin und ist neben Auftritten auf Kleinkunstbühnen auch seit Jahren Stammgast beim Berliner Sender Radio eins. In kleinen Kabinettstückchen bringt er dort den Irrwitz des Alltags in kleinen, mit viel raffiniertem Humor geklöppelten Geschichten auf den Punkt. Hier spielt der „Mann mit dem roten Hemd“ seine größte Stärke aus: Mit seinem ganz eigenen lakonischen Tonfall gibt er seiner Geschichte die richtige Würze. (reg)

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