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Aachen: Quirlige Nena bringt den Katschhof zum Kochen

Aachen : Quirlige Nena bringt den Katschhof zum Kochen

Nena am Samstagabend auf dem Aachener Katschhof - ein großartiges Konzert, von der Atmosphäre her vielleicht sogar eines der besten der jährlichen Kultursommer-Reihe überhaupt.

Selten hat man den Platz zwischen Dom und Rathaus bei einem derartigen Anlass so lautstark singen hören - Kinder ebenso textsicher und ausdauernd wie Eltern. Da steht nicht eine Gruppe auf der Bühne und spult einfach ihr Pensum ab.

Von den ersten Tönen - die schwedische Band Itchycoo hat zuvor mit ihrem Power-Pop bestens eingeheizt - bis zum Schluss lässt Nena erst gar keine Distanz zum Publikum aufkommen. Die quirlige 44-Jährige, mit vielen aufsteigenden Luftballons begrüßt, gibt den über 6000 Menschen das Gefühl dazuzugehören.

Ganz in Schwarz gekleidet - beim vierten Song „Tanz auf dem Vulkan”, während dem auf der Leinwand im Hintergrund Glutströme fließen, fliegt die Jacke beiseite - gibt sie noch immer den jungen Hüpfer. Glaubhaft, sympathisch. Da springt der berühmte Funke problemlos über - und zwar zigfach. Ein paar Regentropfen aus dem verhangenen Himmel können da auch nicht stören.

Gut 100 Minuten bietet Nena mit ihrer fünfköpfigen Band Party. „Wunder geschehen”: Die Fans singen alleine, tausende Arme winken mit Nena im Takt. „Leuchtturm” gibts zunächst total entspannt, aber dann geht es richtig los: Der Katschhof kocht und singt.

Ebenso bei „Nur geträumt”: Toll, wie frisch dieser erste Nena-Hit von 1982 immer noch ist. „99 Luftballons” wird regelrecht zelebriert - in zwei Versionen, während große weiße Ballons ins Publikum fliegen. Schließlich wird der Refrain auch noch in den von „Hey Jude” gepresst. Auch „Irgendwie, irgendwo, irgendwann” kommt doppelt.

Zur letzten Zugabe „Das ist der Anfang” werden Kinder von unten auf die Bühne gehoben. Der Platz feiert und jubelt. Die Band verabschiedet sich. Und Nena stimmt am Ende noch einmal ganz alleine „Leuchtturm” an. Sie hat - natürlich - das letzte Wort.

Eher zum Zuhören

Am Vorabend an derselben Stelle: Manfred Manns Earthband. Fast zwei Stunden lang führt der 63-jährige Altmeister samt seinen vier Kollegen die über 4000 Zuschauer auf eine Zeitreise mit Meilensteinen aus der 33-jährigen Bandgeschichte. Über weite Strecken bleibts - abgesehen vom Applaus - recht ruhig im Publikum.

Die ausgiebigen Improvisationen, die der Keyboarder mit dem schwarzen Hut und der exzellente Gitarrist Mick Rogers, neben Mann das einzige Mitglied aus den ersten Erfolgsjahren der Gruppe, bei einigen Stücken bieten, gehören zwar seit jeher zur Earthband, sind aber eher etwas zum Zuhören als zum Mitfeiern.

Dann schmettert Sänger Noel McCalla „Blinded By The Light” über den Platz, während der Dom in der Abendsonne leuchtet - und endlich wird kräftig mitgeklatscht. Na also! Bei „Davys On The Road Again” steigt die Stimmung noch mehr, um schließlich in die Zugabe „Mighty Quinn” zu münden.

Als im Evergreen dann auch noch das unsterbliche Gitarrenriff von Deep Purples „Smoke On The Water” auftaucht, erreicht die Zeitreise einen markanten Ankerpunkt. Vor der Earthband hat die Aachener Somebody Wrong Blues Band mit luftig-lockeren Blues-Happen für gute Laune gesorgt - eine gelungene Eröffnung der diesjährigen Katschhof-Konzerte.



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