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Aachen: „Quintessence”: Reine Klangschönheit berührt

Aachen : „Quintessence”: Reine Klangschönheit berührt

Eines der bedeutendsten Werke der Kammermusikliteratur bildete den Schwerpunkt des dritten Konzertes der „Quintessence”-Kammermusikreihe im Krönungssaal: das Klarinettenquintett h-Moll von Johannes Brahms.

Das in eine herbstliche Stimmung getauchte, von leiser Resignation gekennzeichnete Spätwerk des 58-jährigen Brahms hatte an diesem Abend so international renommierte Interpreten wie das Fine Arts Quartet und den Klarinettisten Paul Meyer.

Das Publikum im vollbesetzten Saal erlebte eine Aufführung von einer Intensität und Innigkeit, die wohl jeden der Zuhörer tief berührte und deren reine Schönheit nur getrübt wurde durch pöbelnden Lärm von draußen, der durch den scharfen Kontrast um so schmerzlicher empfunden wurde.

Meyers Fähigkeiten, sich in den Streicherklang zu integrieren, in kammermusikalisch vorbildlicher Weise den anderen da den Vortritt zu lassen, wo sie motivisch wichtiger sind als die Klarinettenstimme, sind phänomenal. Diese Zurücknahme grenzte im ersten Satz schon an Selbstlosigkeit und war fast des Guten zuviel.

Wunderbar dann sein leidenschaftlicher Ausbruch im langsamen Satz, der die gesamte Ausdrucksskala seines Instrumentes beispielhaft darstellte. Adäquate Partner waren ihm die Musiker des Fine Arts Quartets, die Geiger Ralph Evans und Elfin Boico, der Bratscher Yuri Gandelsman und der Cellist Wolfgang Laufer.

Reine und ideale Schönheit vermittelte die Zugabe am Schluss: der langsame Satz aus Mozarts Klarinettenquintett.

Ergreifender ist das kaum darzustellen. Ergreifend war der Einstieg ins Programm sicher nicht: Das dreisätzige Streichquartett des Primgeigers Ralph Evans war hübsch, ein wenig verspielt, in seinen kontrapunktischen motorischen Partien an Hindemith erinnernd, in seinem langsamen Satz atmosphärisch dicht, mit seinen parallelen Terzen- und Sextenläufen leicht ironisch wirkend.

Handwerklich hervorragend gearbeitet, in seiner Thematik inspiriert und formal an das große Vorbild Johannes Brahms anknüpfend ist das 1. Streichquartett A-Dur von Ernst von Dohnányi, das durch die Musiker des Fine Arts Quartets eine vorbildliche Aufführung erfuhr.

Faszinierend die absolute Gleichwertigkeit in tonlicher wie in technischer Hinsicht, das traumhaft sichere Miteinander, das Hörbarmachen von Innenstimmen und damit der strukturellen Verknüpfungen.

Das hat ohne Zweifel Weltklasseniveau. Entsprechend enthusiastisch war der Applaus.