1. Kultur

Bonn: Pures Gold im süßen Geigenton

Bonn : Pures Gold im süßen Geigenton

Diese Chance ließen sich die Bonner nicht entgehen.

Auch wenn das Beethovenfest erst im September seine Pforten öffnet, nahm man die Gelegenheit wahr, bereits jetzt im Rahmen eines Sonderkonzerts das derzeit prominenteste klassische Künstlerehepaar, Sir André Previn und Anne-Sophie Mutter, auf das Podium der vollbesetzten Beethovenhalle zu bitten.

Dass die beiden auch beim Gastspiel des Oslo Philharmonic Orchestras, dem der Dirigent seit 2002 vorsteht, Previns Violinkonzert präsentierten, das er der Ausnahmegeigerin vor zwei Jahren quasi als Brautgabe in die Finger schrieb, riecht zwar ein wenig nach dick aufgetragenem Persönlichkeitskult.

Fest steht jedoch, dass sich kaum eine dankbarere Spielwiese für die luxuriösen Künste der Anne-Sophie Mutter vorstellen lässt als Sir Andrés 40-minütiger Dreisätzer.

Pures Gold entfaltet die Mutter mit ihrem Geigenton, der in seiner Süße, Wärme und Substanz von einem anderen Stern zu klingen scheint. Je höher sich die Töne aufschwingen, um so verführerischer betört das Spiel der mittlerweile 40-Jährigen die Sinne.

Ihr 34 Jahre älterer Gatte schuf ihr einen raffiniert ausgeleuchteten, samtweichen, mit einem nostalgischen Trauerflor verbrämten Klangteppich, auf dem die Geigerin ungestört weit gespannte melodische Linien von ungetrübter Schönheit spinnen durfte.

Das Ganze legte Previn als abgeklärten Rückblick auf das 20. Jahrhundert an, wobei er sich, vornehm ausgedrückt, mit abgebrühter Professionalität von Prokofieff, Korngold und Bernstein inspirieren ließ. Dass im abschließenden Variationssatz über das Volkslied „Wenn ich ein Vöglein wär´” das Finale aus Bergs Violinkonzert gegenwärtig wird, spricht nicht gegen Previns Arbeit, auch wenn seiner Musik die verstörenden Momente Bergs oder auch Mahlers fehlen.

Doch darf man das von einem Hochzeitsgeschenk erwarten? Ihre Aufgabe, möglichst wenig zu stören und der Violin-Diva einen „roten Teppich” auszubreiten, erfüllten die norwegischen Philharmoniker perfekt. Bereits Claude Debussys einleitendes „Prélude à l´après midi d´un faune” gestaltete Previn so schmuseweich wie ein Aperitif für die folgenden geigerischen Höhenflüge seiner Frau.

Nach der Pause wurde es gediegener: Zu hören war eine sauber gearbeitete 7. Symphonie von Beethoven, deren ekstatischer Schwung freilich durch zu viel Erdenschwere gebremst wurde. Da fehlte es doch an einer nötigen Prise zusätzlichen Elans.