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Würselen: Pure Nostalgie, aber ganz frisch angerührt: Götz Alsmann

Würselen : Pure Nostalgie, aber ganz frisch angerührt: Götz Alsmann

Götz Alsmann hat Großes mit uns vor. Die ganze Welt will er ein Stück besser machen. Mit Schlagerjazz. Mit Cha-Cha-Cha, Bossa nova und Mambo. „Mit all dieser himmlischen Musik.” Die präsentiert er höllisch gut, wie jetzt beim Auftritt auf Burg Wilhelmstein zu hören war.

Der Mann mit der alles überragenden Haartolle und seine swingende Herrenreisegruppe sind längst Stammgäste auf der Freilichtbühne, die jüngst einmal mehr ausverkauft war. Dort gab es zwar ein neues Programm, doch war es eines mit altbekannten Klängen. Denn Experimente macht Alsmann nicht. Er hat eine feine Nische erobert und füllt sie konsequent.

Deutsche Schlagerschätzchen der 50er und 60er Jahre kramt er dazu aus Opas Musiktruhe hervor und peppt sie mit jazzigen Arrangements auf. Diesen nostalgischen Wirtschaftswundersound schüttelt er so lässig aus dem Ärmel wie kaum ein zweiter. Seine Eigenkompositionen fügen sich mittlerweile ins Bild. Elf Stücke des aktuellen Albums und Bühnenprogramms „Engel oder Teufel” hat er frisch angerührt, doch tönen auch sie hemmungslos nostalgisch.

„Oh, du mein Würselen!”

„Oh, du mein Würselen!” Solch eine charmante Eröffnung konnte das Publikum gar nicht anders erwidern als mit einem gewaltigem Applaus. Und der Mann am Klavier wurde den Vorschusslorbeeren gerecht. Unterstützt von Altfrid Sickings (Vibraphon), Michael Müllers (Bass), Rudi Marholds (Schlagzeug) und Markus Paßlicks (Percussion) zauberte Alsmann zwei Stunden lang ein Lächeln auf die Gesicher.

Mit anmutig dahinperlenden Klavierläufen, mit humorvollen Texten und richtig viel Remmidemmi zwischendurch. Denn obwohl die Musik das Kerngeschäft dieser Combo ist, gehörten in Würselen vor allem solche Momente zu den Höhepunkten, wenn Alsmann allein mit dem Mikrofon vor das Publikum trat und wahnwitzige Wortgewitter entlud. Von seiner wilden Zeit im fahrenden Pony-Zirkus schwadronierte er und von einer Hölle für Jazzmusiker, in der Virtuosen dazu verdonnert sind, tagaus, tagein „Schnappi, das kleine Krokodil” zu intonieren.

Gut zwei Stunden füllte Alsmann mit schrulligen Anekdoten und feinster Musik. „Engel oder Teufel”? Diese Frage blieb allerdings unbeantwortet. Alsmann ist wohl beides. Oder, wie er selbst sagt: „Ich bin ein Mann mit mephistophelischem Dauergrinsen und der Figur eines italienischen Putto!”