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Aachen: „Punch-Drunk-Love”: Geniales Chaos fasziniert

Aachen : „Punch-Drunk-Love”: Geniales Chaos fasziniert

Der Film „Punch-Drunk Love” (94 Min. FSK: ab 12) von Paul Thomas Anderson („Magnolia”, „Boogie Nights”), ist endlich mal wieder so ein Fall, bei dem die Kunst des Films die Beschreibung zu kurz kommen lässt.

Der Kritiker kann den zahllosen skurillen Ereignissen „hinterher erzählen”, kann versuchen, bei der Hauptfigur das Zusammenspiel aus sanfter Freundlichkeit und irrer Aggression zu beschreiben.

Aber so richtig wirkt dieser Barry Egan, gespielt von Adam Sandler, ebenso auf die Lachmuskeln. Er fördert den Handlungs-Drive, sorgt für eine explosive Mischung.

Zur Handlung: In einer öden Lagerhalle sitzt Barry (Adam Sandler) den Alltag ab, begeistert sich nur für ein Coupon-Angebot auf Puddingpackungen, das ihm massiv Bonus-Meilen verspricht.

Seine sieben lärmenden Schwestern sind eher nervliche Belastung als emotionaler Halt - bei dieser Familie muss man seltsam werden.

Aber immerhin vermittelt eine von ihnen den Kontakt zu Lena (Emily Watson), die sich gegen alle Erwartungen sehr an Barry interessiert zeigt.

Damit fangen die Schwierigkeiten allerdings erst an, wobei kein Versatzstück aus dem Baukasten üblicher Hollywood-Romanzen auftaucht.

Zum Ausdruck besonderer Zuneigung wird bei Barry schon mal eine Restauranttoilette zertrümmert. Seine Skurrilität begleitet der unsichere junge Mann mit einer magischen Harmonika, die ihm wundersam vor die Füße fiel.

Irgendwann landet der Film in Hawaii und man stellt nach martialischen Liebeserklärungen überrascht einen der schönsten und anrührendsten Liebesfilme seit langem fest.

Paul Thomas Anderson brachte sein eigenes Buch als geniales Chaos auf die Leinwand. Adam Sandlers Körper-Sprache eines begnadeten Komödianten schlägt als Herz in „Punch-Drunk Love”, begleitet von knalligen Soundeffekten und faszinierend ungewöhnlichen Bildkompositionen.

Der Regiepreis 2002 in Cannes war mehr als verdient.