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Aachen: Psycho-Duell mit Wiederholungen: Mankells „Antilopen” am Theater Aachen

Aachen : Psycho-Duell mit Wiederholungen: Mankells „Antilopen” am Theater Aachen

Dass Bühnenwerke des schwedischen Krimi-Autors und Afrika-Fans Henning Mankell keineswegs hochwertige Theaterabende garantieren, beweist sein Stück „Antilopen”, das jetzt in den Kammerspielen des Theaters Aachen Premiere hatte.

Weitgehend eingeschläfert von dem Mix aus langweiligem Ehedrama und gut gemeintem „Afrika den Afrikanern!” spendete das Publikum nach zweieinhalb Stunden freundlichen, matten Applaus.

„Virginia Woolf” lässt grüßen, wenn das schwedische Entwicklungshelfer-Paar, verbunkert in afrikanischer Wildnis, kurz vor der Heimreise einen ehelichen Nervenkrieg ausficht.

Doch anders als bei Edward Albee ergeht sich das Psycho-Duell in unlogischen, widersprüchlichen und quälend langen Wiederholungen der immer gleichen Sätze.

Am allerletzten Tag

Seltsamerweise erst am allerletzten Tag nach elf oder 14 Jahren - die zwei sind sich nicht einig - Aufenthalt in der Fremde und nach einer geschlagenen Stunde Aufführungszeit offenbart „sie” (Marita Breuer) „ihm” (Lorenz Claussen) endlich den Grund ihrer schlechten Laune und das Wissen darum, dass er ein Ferkel ist: Er hat gegen Geld nackte schwarze Mädchen fotografiert. Drum klatscht sie ihm spät, aber deftig die Backen rot. Um sich kurz danach schon wieder an seine Schulter zu lehnen. - Frauen!

Auf einer zweiten Ebene entlarvt Mankell in seinem viel zu gut gemeinten, engagierten Stück die Figuren in den Dialogen als überhebliche, ignorante, korrumpierte und zynische Weiße im Rahmen schlecht durchdachter und vergeblicher Entwicklungshilfeprojekte. Von 400 gebauten Brunnen funktionieren nur drei, heißt es.

Der anreisende, so scheinbar frische Nachfolger auf der Entwicklungshilfe-Station (Enrique Keil) erweist sich auf Anhieb als Prototyp des verlogenen, herablassenden Westlers, dem die Schwarzen zu gehorchen haben.

Der plakativ gehaltene Anklagegestus des Stücks trieft nur so vor politischer Korrektheit und Klischees. Das Ganze wird noch surrealistisch überhöht, indem die schwarzen Mitspieler nur in den Reaktionen der Weißen „sichtbar” werden und wie Geister stumm zur Tür hereintreten.

Darsteller wie Regisseur (Peter Carp), dem der Mut zum kühnen Strich gefehlt hat, leiden ganz offensichtlich unter den Schwächen der Vorlage. Szenische Aktionsmöglichkeiten bietet vorwiegend der Schnapsschrank. Gut drei Flaschen Whisky und Magenbitter bechern die drei weg.

Marita Breuer vertreibt sich die Zeit mit Kleiderwechsel - ziemlich heiß in Afrika. Im Hintergrund brüllen die Affen und schreien die Papageien. Zu ohrenbetäubendem Getrommel muss sich Keil am Ende - warum auch immer - einen negroiden Tanz abzucken.

Undankbare Aufgabe

Beatrice von Bomhards Ausstattung mit der schmutzigen Kinderzimmertapete - offensichtlich die von den Vorgängern des Paars - verströmt den Ausdruck depressiver Heimatlosigkeit.

Die Schauspieler schlagen sich bei der undankbaren Aufgabe, so gut es geht. Lorenz Claussen spielt den desillusionierten, schlapp-resignierten Entwicklungshelfer, der den Frust am liebsten in Schnaps versenkt.

Marita Breuer ist die enttäuschte, in Härte erstarrte Ehefrau, Enrique Keil der sich idealistisch gebende Nachfolger, in Wahrheit ein chauvinistisches Weichei - mit Angst vor Ameisen.