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Arlon: Prozessauftakt gegen Dutroux

Arlon : Prozessauftakt gegen Dutroux

Der mutmaßliche Kindermörder und Vergewaltiger Marc Dutroux hat sich am ersten Tag seines Prozesses bewusst unbeteiligt gegeben - und so die Stimmung im Gerichtssaal zusätzlich gegen ihn aufgebracht.

Neben dem 47-jährigen Dutroux sind drei mutmaßliche Komplizen angeklagt, darunter auch seine Ex-Frau Michelle Martin. Das Verfahren in der Kleinstadt Arlon findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Die drei Berufsrichter wählten zum Prozessauftakt je sechs Männer und sechs Frauen als Geschworene und ebenso viele Stellvertreter aus. Ein Urteil in dem Mammutprozess mit mehr als 450 Zeugen wird frühestens Anfang Mai erwartet.

„Mandant schläft”

Dutroux und die drei Mitangeklagten mussten sich zunächst Fragen nach Namen, Alter und Beruf stellen. Dutroux antwortete mit tonloser Stimme. In grauer Jacke, hellem Hemd, grauem Pullover und Krawatte eher unauffällig scheinend, wirkte er über weite Strecken abwesend. „Ich glaube, ihr Mandant schläft”, sagte der in roter Robe gekleidete Präsident des Schwurgerichts, Stéphane Goux, zu einem der Anwälte.

Es war Dutroux´ erster öffentlcher Auftritt seit seiner spektakulären Flucht aus einem Gerichtsgebäude 1998. Damals konnte ihn die Polizei nach drei Stunden wieder festsetzen. „Diesmal wird er nicht davonkommen”, zeigte sich der Sicherheitschef von Arlon, Jean-Yves Schul, überzeugt.

Dem 47-jährigen Dutroux wird vorgeworfen, 1995 und 1996 sechs Mädchen entführt, vergewaltigt und zum Teil monatelang in Kellerverliesen versteckt zu haben. Vier der Opfer im Alter von acht bis 19 Jahren starben an den Torturen. Mit auf der Anklagebank stehen Dutroux´ Ex-Frau sowie zwei mutmaßliche Komplizen. Das Urteil für Dutroux dürfte auf lebenslänglich lauten.

Zu Beginn des Verfahrens sorgten angebliche Äußerungen Dutroux´ für Aufregung. Belgische Medien zitierten ein Schreiben, das dem flämischen Fernsehsender VTM vorliegen soll. Danach fühlt sich der 47-Jährige „instrumentalisiert”. Die Berichte zitieren ihn mit den Worten: „Die Leute wollen glauben, dass ich im Mittelpunkt stehe. Sie irren sich.”

Kriminelles Netzwerk?

Dutroux nährt damit Spekulationen über ein mögliches kriminelles Netzwerk, als dessen Handlanger er fungiert haben will. „Ich habe Dinge getan, für die ich nicht der Antrieb bin. Ich bin von anderen instrumentalisiert worden, die wiederum von Dritten instrumentalisiert wurden”, behauptet Dutroux laut den Berichten weiter. Wie der Sender an die Zitate kam, ist unklar. Der Anwalt von Dutroux´ mutmaßlichem Komplizen Michel Lelièvre, Olivier Slusny, wies die Netzwerk-These zurück. „Es ist wie die Ermordung von Präsident Kennedy. Wenn etwas zu groß ist, braucht man eine Erklärung.” Er glaube nicht, dass es eine Mafia-Organisation im Hintergrund gebe.