Düsseldorf: Projekt „Faces of Feminism“: Alles eine Frage der Gleichheit

Düsseldorf : Projekt „Faces of Feminism“: Alles eine Frage der Gleichheit

Als Kind hat sie sich nie benachteiligt gefühlt. Ganz im Gegenteil! Leah Hautermans war immer klar, dass sie in einer privilegierten Situation groß wird, behütet und doch frei, in einem Teil der Welt, in dem es relativ egal ist, ob man als Mädchen oder Junge geboren wird. „Deshalb hat es ein bisschen gedauert, bis ich das Thema Feminismus für mich entdeckt hatte“, sagt die 28-Jährige heute.

Doch irgendwann sind ihr immer mehr Ungleichheiten aufgefallen, vom alltäglichen Sexismus auf der Straße, in Kneipen oder auf Partys bis in berufliche Bereiche hinein, in denen Frauen in typischen Frauenberufen schlechter bezahlt werden und in anderen Berufen schlechtere Chancen haben.

Für ihr Feminismus-Projekt hat Leah Hautermans über mehrere Monate Interviews mit Menschen aus Deutschland und England geführt. Foto: Leah Hautermans

Ihre Master-Arbeit im Studiengang „Kultur, Ästhetik, Medien“ an der Hochschule Düsseldorf hat sie deshalb zu einem feministischen Projekt gemacht. Ihre Abschlussarbeit heißt „Faces of Feminism“ und ist als Buch nicht nur innerhalb des Uni-Geländes interessant. Da Leah Hautermans auch als Fotografin arbeitet, war schnell klar, dass es eine Verbindung zu fotografischen Porträts geben würde. Ihr Ziel war herauszufinden, was Feminismus heute bedeutet und welche Ideen er transportiert. Und sie wollte Menschen finden, Frauen und Männer, die sich selbst als Feminist oder Feministin bezeichnen.

Ein Statement

Und sie ist fündig geworden: mit Matt Alton aus London, Jules Gawlik und Martin Schwoll und Indrani Sigamany aus Indien und noch vielen weiteren, die an Hautermans’ Projekt teilgenommen haben. Neben unterschiedlichen Lebensaltern, Geschlecht, kulturellem Hintergrund eint sie ein Statement: Feminist oder Feministin zu sein. Vergangenes Jahr ist die Aachenerin Leah Hautermans auf die Suche gegangen, in Deutschland und in England, als sie während eines Austauschsemesters in Oxford war.

Dann hat sie mehrere Monate Interviews mit Menschen aus den beiden Ländern geführt, und sie hat sie an einem Ort fotografiert, an dem sie gerne sein wollten. Und sie hat sie gebeten, einen Gegenstand von sich zu nennen, der für sie ein persönliches Symbol für Feminismus ist. Das konnte eine Platte von Janis Joplin sein, die Armbanduhr der verstorbenen Mutter, ein pinkfarbenes Fahrrad oder das Make-up.

Obwohl die Fragestellung immer gleich war, sind daraus sehr persönliche Interviews entstanden, die einerseits individuelle Haltungen verraten, andererseits aber auch die Entwicklung des Feminismus in Deutschland und Großbritannien beleuchten.

In Oxford hat Leah Hautermans erstaunlich leicht Menschen gefunden, die sich mit der Feminismusbewegung identifizieren konnten: „Dabei ist mir erst einmal aufgefallen, dass Feminismus in den verschiedenen Ländern wirklich unterschiedlich bewertet wird. In Deutschland haben viele ein Problem mit dem Begriff, er ist irgendwie negativ besetzt. Das gibt es so nicht in Großbritannien“, sagt die Fotografin, „die gehen viel freier an das Thema heran.“

Ein Grund für diesen Unterschied wurde in den Gesprächen immer wieder genannt, sagt sie. Denn im Gegensatz zu Großbritannien hat Deutschland eine Symbolfrau, die seit Jahrzehnten für den Feminismus steht und die Debatte bestimmt: „Alice Schwarzer hat viel gemacht für die Frauen in Deutschland, aber inzwischen ist ihre herrschende Rolle zu einem Problem geworden. Eine Person, die das Thema so für sich einnimmt, gibt es in Großbritannien einfach nicht“, erklärt Leah Hautermans, „das macht es einfacher, weil der Begriff dann nicht so festgelegt ist und sich entwickeln kann.“

Und das ist es, was Leah Hautermans mit ihrem Projekt zeigen will: Es gibt einen grundsätzlichen Anspruch auf Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, aber darüber hinaus gibt es viele Formen von Feminismus, die alle ein bisschen anders aussehen und so vielfältig sind wie die Menschen, die sich abgelichtet hat. In ihrem Buch und auf ihrer Homepage gibt sie diesen Ideen, Geschichten und Lebensweisen Gesichter: „Dies ist keine vollständige Darstellung des zeitgenössischen Feminismus und gibt es auch nicht vor. Es könnte auch keine sein, selbst wenn tausende Feminist/innen hier vorgestellt würden“, schreibt Hautermans in der Einleitung.

Wandel der Diskussion

Einen Wandel in der Diskussion lässt sich trotzdem ausmachen. Gerade bei den jüngeren Teilnehmern fällt auf, dass ihr Begriff von Gleichberechtigung weit gefasst ist. Ihnen geht es nicht nur um Frauen und Männer, sondern auch um Menschen, die sich entweder nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen können oder sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, in dem sie nach rein körperlichen Merkmalen geboren wurden.

Bei den Antworten aus Großbritannien wird zudem deutlich, dass Feminismus nicht als „Frauending“ betrachtet wird, sondern als Idee von Menschen, die sich für Gleichbehandlung einsetzen, egal, ob es dabei um unterschiedliche Geschlechter, um Kulturen oder Religionen geht.

Bis dahin sei es ein weiter Weg, glaubt Hautermans: „Es ist ja nicht damit getan, dass Frauen wählen gehen dürfen. Die Ungleichheit ist oft so alltäglich, dass sie überhaupt nicht bemerkt wird.“ Und manche Diskriminierung verlaufe auch subtiler: Man traue Frauen eben oft weniger zu.

Ähnliches ist ist ihr auch schon passiert, wenn sie als Fotografin unterwegs ist — „in einer Männerdomäne“. Ich werde dann öfter gefragt, wo der Fotograf ist. „Dabei habe ich die Kamera in der Hand. Aber manche können sich einfach nicht vorstellen, dass das mein Job ist,“ sagt Leah Hautermans.