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Aachen: Prösterchen: „Mandy und die Wirtschaftswaisen” im Mörgens

Aachen : Prösterchen: „Mandy und die Wirtschaftswaisen” im Mörgens

Es ist schon eine Herausforderung, einen Kalauer rund um Wirtschaft und Gewerbe zu finden, der in der Uraufführung im Aachener Mörgens nicht vorkam. Eigentlich keine Überraschung.

Denn schon das Szenario von „Mandy und die Wirtschaftswaisen” bedient sich ja einer simplen Doppeldeutigkeit: Thomas Oliver Niehaus´ „Szenen aus der Tiefe des Schankraums” erklärt die Wirtschaft in der Wall Street anhand der Sorte Wirtschaft, wie man sie in vielen anderen Straßen findet.

In einer solchen schenkt Inhaberin Mandy (Bettina Scheuritzel) ihren zwar nicht flüssigen, dafür aber durstigen Gästen mit eben dem Eifer nach, mit dem sie anschreibt (Raum: Lucia Becker, Kostüme: Sigrid Brüninghoff). Auf dem Bierdeckel floriert das Geschäft, das in Wahrheit natürlich eine Scheinwirtschaft ist. Wen das schert, so lange genug Sachwerte da sind? Jedenfalls nicht Mandys Gäste (Torsten Borm, Julia Brettschneider, Stefanie Dischinger, Katharina Merschel, Karsten Meyer, Sebastian Stert), die unbekümmert Helle und Kurze liquidieren.

Wie man den Alkohol kennt, sorgt er vor Einbruch von Katzenjammer und Katerstimmung für kreative Wortgewitter. „Sätze ohne Umsatz: Satz für Satz und Schnaps für Schnaps”, rappt Mandy. Da genehmigt sich ihre Kundschaft gern „einen Doppelten auf die doppelte Buchführung.” Denn: „Wenn Schicht im Schacht ist, ist noch lang nicht Schluss.” Und bei dem aufgefahrenen Quantum an Zynismus wird auch an Selbstironie nicht gespart: „Im Theater wird überall gekürzt, nur an den Texten nicht.”

In der Tat ist es Ansichtssache, ob die ein oder andere sprachliche Pirouette nicht doch des Guten zu viel ist. Durch den inflationären Gebrauch von Alliterationen, Metaphern und Mehrdeutigkeiten ist „Mandy und die Wirtschaftswaisen” jedenfalls ausgerechnet dann besonders pointiert, wenn Niehaus und Ralph Blase (Dramaturgie) das Tempo drosseln.

Dann berichtet Julia Brettschneider davon, wie sie in der Bahn unter den vernichtenden Blicken der Mitreisenden die Jüdische Allgemeine aufschlug - und das Publikum verfolgt mit angehaltenem Atem, wie die Inszenierung (ebenfalls Niehaus) elegant den Tabubruch antäuscht. Und einer der größten Lacher gelingt, wenn Karsten Meyer nach einem Ausraster langsam zu Sinnen kommt - und mit matter Stimme konstatiert: „Ich fühle mich irgendwie...kaufkraftschwach!”

Alles in allem ist „Mandy und die Wirtschaftswaisen” wie ein Thekengespräch bei stattlichem Promillewert: nur manchmal tiefsinnig, immer aber temporeich, nicht immer gradlinig, stets aber kurzweilig. Und vor allem: alles andere als leise.

„Mandy und Wirtschaftswaisen” ist noch am 6., 13. und 27. November im Mörgens des Theater Aachen zu sehen.