Aachen: Probe bestanden: GMD-Kandidat Christopher Ward im Opern-Dirigat

Aachen : Probe bestanden: GMD-Kandidat Christopher Ward im Opern-Dirigat

Leoš Janáeks Oper „Katia Kabanova“ ist sicher nicht das ideale Objekt für ein Probedirigat. Da allerdings für die Kür der drei Kandidaten, die sich in letzter Runde um die Position des Aachener Generalmusikdirektors bemühen, derzeit nur eine für diesen Zweck noch problematischere Monteverdi-Oper zur Verfügung stünde, muss man mit der Situation leben.

Freilich darf man von einem angehenden GMD durchaus verlangen, mit heiklen Aufgaben auch unter begrenzten Probebedingungen professionell fertig werden zu können, auch wenn an den vertrackten Tempo-, Rhythmus- und Stimmungswechseln der Janáek-Oper schon mancher prominente Kollege verzweifelte.

Von Verzweiflung war dem Dirigat des ersten Kandidaten, des 37-jährigen Engländers Christopher Ward, allerdings nichts anzuhören. Als Assistent von Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern und Kent Nagano an der Bayerischen Staatsoper sowie, noch wichtiger, als Kapellmeister in Kassel und Saarbrücken, ist er mit den nicht immer idealen Gegebenheiten des Opernalltags bestens vertraut.

Und so ließ er sich auch nicht von den immensen Anforderungen der Partitur abschrecken. Sicher führte er das Ensemble durch die Aufführung, wobei er das Orchester sängerfreundlich zurückhielt. Einige wenige Wackelkontakte zwischen Sängern und Orchestern fielen nicht ins Gewicht. Dass nicht jeder Kontrast innerhalb des zersplitterten Motiv-Teppichs ideal ausgefeilt wurde, kann von einem Probedirigat nicht erwartet werden. In dieser Hinsicht ließ auch der kommissarische GMD Justus Thorau, der das Werk intensiv einstudiert hat, manchen Wunsch offen.

Für den Zuschauer präsentierte sich Christopher Ward als professioneller Dirigent, der die Fäden selbstbewusst in der Hand hielt und der keine Verständigungsschwierigkeiten mit Orchester und Solisten erkennen ließ. Gewiss erleben die Künstler die Kandidaten im Rahmen der Probenarbeit und der Aufführung aus einer anderen Perspektive. Deshalb werden wir bei den restlichen zwei Kandidaten auch die Probenarbeit beobachten. Der Opern-Auftritt von Christopher Ward verlief jedenfalls im grünen Bereich.

Der in London geborene Dirigent wird sein Konzert-Debüt am 17. Dezember um 18 Uhr im Eurogress mit einem bunten Programm bestreiten, unter anderem mit Tschaikowskys Nussknacker-Suite im Original und im Gewande Duke Ellingtons.

Drei Tage zuvor, am 14. Dezember, wird sich der Amerikaner Ido Arad, der bereits mit einer beachtlichen „Pastorale“ von Beethoven im Eurogress beeindrucken konnte, Janáeks Oper widmen.

Mehr von Aachener Nachrichten