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Berlin: Pressemarkt: Droht ein Kampf der Giganten?

Berlin : Pressemarkt: Droht ein Kampf der Giganten?

Am Dienstag wird es spannend. Einen solchen Fall gab es in der deutschen Presselandschaft noch nie.

Mathias Döpfner, Chef des Axel Springer Verlags, hat in einem Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement angekündigt, seine Tageszeitungen „Die Welt” und „Berliner Morgenpost” einzustellen, sollte Clement die Fusion von „Tagesspiegel” und „Berliner Zeitung” befürworten.

Hintergrund ist, dass Kulturstaatsministerin Christina Weiss die Übernahme der „Berliner Zeitung” (vormals Gruner + Jahr) durch Holtzbrinck zur Rettung des „Tagesspiegels” gutheißt und sich damit über die Bedenken von Kartellamt und Monopolkommission hinwegsetzt.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitierte am Wochenende aus dem Brief von Kulturstaatsministerin Christina Weiss ans Wirtschaftsministerium: „Ich rege an, die Ministererlaubnis zum Zusammenschluss(...) zu erteilen, da sie trotz der damit verbundenen erheblichen Beeinträchtigung des wirtschaftlichen Wettbewerbs auf dem Berliner Zeitungsmarkt geboten ist, um den publizistischen Wettbewerb in Berlin zu erhalten und zu fördern.”

Genau an diesem Punkt greift Springer nun massiv an, verweist durch Konzernsprecherin Edda Fels darauf, dass sämtliche Gutachten gegen eine Ministererlaubnis sprächen, und man das Agieren der Ministerin als verfassungswidrigen Eingriff in die Staatsfreiheit der Medien sehe.

Man werde die Erlaubnis, falls sie komme, mit allen juristischen Mitteln bekämpfen, müsse dann aber auch die eigenen Blätter „Die Welt” (Auflage: 209.000) und „Berliner Morgenpost” (150.000) einstellen. Die Drohung, beide Blätter vom Markt zu nehmen, sei „ernst gemeint”.

Im Schreiben von Verlags-Chef Mathias Döpfner ist der Fahrplan bereits vorgegeben: „Die angestrebte Erlaubnis führt zwingend zum kurzfristigen Ausscheiden der ,Welt und zum mittelfristigen Ausscheiden der ,Berliner Morgenpost aus dem Markt.”

Giganten in der Kraftprobe. Am Dienstag sind zum letzten Mal Wortwechsel möglich, danach spricht nur noch der Wirtschaftsminister.

Holtzbrinck will die Ministererlaubnis, weil nur durch die Fusion von „Tagesspiegel” (Auflage 139.000), vor allem im Westteil der Stadt gelesen, und „Berliner Zeitung” (Auflage 192.000), hauptsächlich im Ostteil verbreitet, beide Zeitungen langfristig überleben könnten.

Der Stuttgarter Zeitungskonzern hatte im Januar die Fusion bei Bundeswirtschaftsminister Clement beantragt, nachdem das Kartellamt abgewinkt hatte.

Genau darin sieht aber Springer die Gefahr. „Durch die marktbeherrschende Stellung, die Holtzbrinck durch einen Zusammenschluss im redaktionellen Anzeigengeschäft erlangen würde, wäre ,Berliner Morgenpost und ,Welt jegliche wirtschaftliche Perspektive genommen”, schreibt der Vorstandschef.

Döpfner verrät, „dass das Defizit, das wir mit der ,Welt erwirtschaften, trotz der Koordination mit der ,Berliner Morgenpost bei einem Vielfachen dessen liegt, das Holtzbrinck gegenwärtig mit dem ,Tagesspiegel verliert.

Holtzbrinck hatte angegeben, die Verluste beliefen sich seit 1992 auf 75 Millionen Euro. In einem vertraulichen Anhang hat Döpfner Clement die Summe des letzten Quartals genannt, die Springer in sein Renommierprojekt „Welt” steckt.

Wie immer die Verhandlung ausgehen wird - Folgen wird sie hier oder da auf jeden Fall haben. Arbeitsplätze sind in Gefahr, Leser bangen um ihre angestammten Blätter. Der Fall könnte zum Präzedenzfall werden.