Aachen: Premiere: Grenzland-Chef Uwe Brandt startet als Regisseur

Aachen: Premiere: Grenzland-Chef Uwe Brandt startet als Regisseur

Gleich mit der ersten Produktion gibt der neue Intendant des Aachener Grenzlandtheaters seine Visitenkarte als Regisseur ab - da sind die Erwartungen naturgemäß hoch, die Premiere an diesem Donnerstag ist seit langem komplett ausverkauft. Doch Anspannung?

Kein Spur! Lässig sitzt Uwe Brandt im Bühnenbild von Goldonis „Diener zweier Herren”, umringt von seinem neunköpfigen Ensemble, das sich an diesem Mittag in voller Maske der Presse stellt.

Soeben haben die Darsteller eine Kostprobe davon gegeben, wie die Inszenierung starten wird: mit einem flotten Lied, im Chor gesungen von allen Darstellern, Karl Walter Sprungala, der den Truffaldino gibt, begleitet am Klavier.

„Wunderbar, dabei zu sein, das Leben ganz einfach genießen und dann frei zu sein”, erklingt gewissermaßen das Motto des Grenzlandtheaters - gute Geschichten zu erzählen und dem Publikum das Gefühl zu geben, einen gewinnbringenden Abend erlebt zu haben.

Das Lied stammt von dem Schauspieler und Sänger Ulrich Tukur und seinen Rhythmus Boys, der wahrscheinlich ältesten Boygroup der Welt.

Der Song hat zwar mit Goldoni ganz direkt nicht allzu viel zu tun, passt aber nach Ansicht des Regisseurs und Intendanten dennoch bestens, genauso wie die anderen Tukur-Lieder und eine „erotische Tanzszene”, die in die Inszenierung eingestreut werden.

Alt und klassisch, aber leicht

„Obwohl alt und klassisch”, sagt Brandt, schätzt er das Goldoni-Stück gerade wegen der Leichtigkeit, mit der es im Ursprung und im Umfeld der italienischen Commedia dell´arte entstanden ist: im Stegreifspiel und auf Planken, die die Schauspieler damals mal so eben auf den Boden geworfen haben.

Und dann wären ja da auch noch jene typischen Figuren der Menschheit versammelt: der geldgierige Pantalone, die Zicke Clarice, die Zofe Smeraldina, die den Pantalone fester im Griff hat, als der es nur ahnt...

Allesamt Figuren, die „auch in der Aachener Gesellschaft oder im Karneval vorkommen”, beschreibt Brandt augenzwinkernd die „Aktualität” des Stücks. Gleichwohl will er sich jeder Anspielung auf ähnliche Erscheinungen im wirklichen Leben enthalten.

Immerhin sticht deutlich in einer weiteren Szene, die Sprungala und Cecilia Amann (Beatrice) an diesem Mittag als Kostprobe geben, zumindest akzentweise ostbelgisches und Aachener Lokalkolorit durch, wenn Sprun-gala lauthals posaunt, was nach Überzeugung Truffaldinos der Erfolg eines „juuten Essen” ist - das „Arrangemang”...

Aber das soll dann auch schon die einzige „Aktualisierung” des Stoffs an dem insgesamt zweieinhalbstündigen Abend (inklusive Pause) sein.

Die Schauspieler jedenfalls sind absolut begeistert von ihrem neuen Team-Chef und führen das unter anderem auch auf dessen Faible für den „Mannschaftssport Fußball” zurück. Wenn alle Regisseure vom Schlage eines Uwe Brandt wären, „dann wäre Theater die reinste Freude”, spricht Ernst Wilhelm Lenik, ein alter Bühnenhase, für alle Kollegen. „Ohne Aggression, ohne jede Missstimmung, immer geduldig...”

Der so Gelobte schmunzelt und gibt preis, dass sein Wesen normalerweise ohne genau diese Eigenschaften gar nicht auskommt - eine schöne Revanche des Kompliments, müssen doch ganz offensichtlich die Schauspielerkollegen die unverhoffte Sanftmut ausgelöst haben.

Bei all der Harmonie darf das Publikum sicher weiterhin die hohen Erwartungen hegen angesichts des Versprechens, eine „temporeiche Handlung voller Witz und Charme” erleben zu können.

„Der Diener zweier Herren” von Carlo Goldoni im Grenzlandtheater. Premiere (ausverkauft): Donnerstag, 13. August, 20 Uhr.

Weitere Aufführungen: täglich bis 14. September in der Elisen-Galerie, danach bis 29. September in der Region.

Karten unter 0241/4746111 (Mo.-Fr. 10-13 u. 17-18.30, Sa. 10-13 Uhr. Fast immer gebe es auch Restkarten an der Abendkasse, heißt es.