1. Kultur

Heimbach: Prächtig aufgelegte Musiker und ein junges Talent

Heimbach : Prächtig aufgelegte Musiker und ein junges Talent

Noch stärker als bisher richtet Lars Vogt die ursprünglich locker gefügten Programme seines ungebrochen populären Kammermusikfestivals „Spannungen — Musik im Jugendstilkraftwerk Heimbach“ in diesem Jahr auf einen thematischen Schwerpunkt aus.

Im 21. Jahr bestimmen russische Komponisten die Werkfolgen des Festivals, das bis Sonntag wieder zahlreiche prominente Musiker und Musikfreunde aus nah und fern an den Rursee lockt. Zum Musizieren, zum Musikhören, aber auch zum geselligen Treffen in familiärem Ambiente.

Für den russischen Akzent des Festivals wich sogar Grafiker Helmut Müllejans vom gewohnten Layout des Programmbuchs ab und entwickelte ein neues Logo mit den Köpfen der drei russischen Großmeister Peter Tschaikowsky, Dmitri Schostakowitsch und Sergej Prokofieff. Tschaikowsky und Schostakowitsch werden in der Tat besonders intensiv berücksichtigt. Und das gleich in einem vorgeschalteten Orchesterkonzert, bei dem sich Lars Vogt als Dirigent des Kölner Kammerorchesters Werken dieser Meister, aber auch Igor Strawinskys „Concerto in D“, widmete.

Dabei schließt das Programm diesmal auch nicht ganz so geläufige Namen wie Anton Arensky, Reinhold Glière und Alfred Schnittke ein. Und auch der „Composer in Residence“, der experimentierfreudige Moskowiter Sergej Newski, der am Freitag mit einem Streichquartett und der Uraufführung seines neuen Klavierquartetts vertreten sein wird, stammt aus dem östlichen Riesenreich.

Beim offiziellen Eröffnungskonzert gaben freilich westliche Komponisten von Mozart bis Mendelssohn den Ton an. Allerdings hinterließen Alban Gerhardt und Artur Pizarro mit einer grandiosen Interpretation der einzigen und gar nicht so oft zu hörenden Cello-Sonate von Sergej Rachmaninow besonders nachhaltige Eindrücke. Den rhapsodisch weitschwingenden, warm tönenden Nerv des Werks trafen die beiden prominenten Musiker punktgenau.

Als Lars Vogt mit dem gar nicht zu überschätzenden Einsatz des Dürener Kunstfördervereins das Festival vor über 20 Jahren ins Leben rief, war sie noch nicht auf der Welt. Jetzt stand sie auf der Bühne: Vogts 16-jährige Tochter Isabelle, die mit beachtlichem darstellerischem Talent die Texte zu zwei Schauer-Balladen für Deklamation und Klavier von Robert Schumann vortrug. Kaum bekannte Melodramen des reifen Meisters, bei denen Papa Vogt seine Tochter dezent am Klavier unterstützte.

Den Auftakt bestritten mit der Geigerin Antje Weithaas und der Cellistin Tanja Tetzlaff sowie dem Spiritus Rector Lars Vogt drei Urgesteine des Festivals. Und sie läuteten die Woche mit einem Divertimento von Mozart ein, das sich als ausgewachsenes Klaviertrio entpuppte und bei den prächtig aufeinander eingespielten Musikern bestens aufgehoben war.

Dass Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquintett in B-Dur op. 87 für fünf Musiker, die sich für den Aufritt nur kurzfristig zusammenschließen konnten, größere Probleme im Zusammenspiel mit sich bringen könnte, davon war an dem Abend nichts zu spüren. Antje Weithaas und Florian Donderer (Violine), Barbara Buntrock und Timothy Ridout (Viola) sowie der Cellist Julian Steckel spürten die hintergründigen Töne und nervösen Spannungen des ernst gestimmten Werks schonungslos auf und sorgten für einen glanzvollen Abschluss des Eröffnungsabends.