Konzert in Köln: Popstar Shawn Mendes sucht noch die Liebe

Konzert in Köln: Popstar Shawn Mendes sucht noch die Liebe

Popstar Shawn Mendes sucht noch die Liebe. Herzschmerz gibt’s in seinen Songs dennoch – und gesellschaftliche Botschaften. Im März kommt der 20 Jährige nach Köln.

In dem Lied „Youth“ singen Sie: „Waking up to headlines / Filled with devastation again“ (auf Deutsch: zu Schlagzeilen aufwachen, wieder voll mit Zerstörungen). Was brachte Sie dazu, als junger Popmusiker einen so ernsten Titel zu schreiben?

Shawn Mendes: Er ist inspiriert von den schlimmen Dingen und Tragödien, die in der Welt vor sich gehen. Ich wollte ein Lied darüber schreiben, wie es sich für unsere Generation anfühlt, in so einer Welt zu leben.

Für Menschen um die 19, 20?

Mendes: Mit Jugend meine ich nicht zwingend mein Alter, sondern eher den kindlichen, ungetrübten Blick, den das Jungsein mit sich bringt. Jedes Mal, wenn wieder ein Terroranschlag passiert oder ein weiteres Schulmassaker, dann stirbt etwas in uns, und das führt dazu, dass diese Jugend verblasst. Die Aussage des Liedes ist: Wir lassen uns nicht unserer Jugend berauben, wir halten an ihr fest.

Gab es einen konkreten Anlass für das Lied?

Mendes: Der Terroranschlag in Manchester 2017 hat mich unfassbar deprimiert. Ich war noch nie so down. Ich hatte in derselben Arena eine Woche zuvor ein Konzert gegeben. Es war ein schreckliches Gefühl und der Moment, in dem mir klar war, dass ich etwas sagen muss.

Mit wem haben Sie darüber gesprochen?

Mendes: In erster Linie mit meiner jüngeren Schwester. Sie ist 14. Als ich in ihrem Alter war, musste ich mir keine Gedanken über Terroranschläge machen, die westliche Welt schien noch etwas stabiler. Es ist traurig, dass es heute anders ist, aber es ist die Realität. Der Song gewinnt jeden Tag an Relevanz durch all das, was passiert. Wir wachen fast täglich mit schlimmsten Überschriften und Nachrichten über Zerstörung auf.

Inwieweit lassen Sie das an sich heran?

Mendes: Ich lebe nicht in einer Popstar-Blase. Ich bin schlecht darin, all das zu ignorieren, aber ich will mich auch nicht zu sehr im Negativen verfangen und rund um die Uhr darüber grübeln. Denn das verändert, wer du bist. Du härtest ab, deine Seele wird kalt und finster. Das hilft niemandem. In „Youth“ heißt es auch: „Ihr werdet meinen Schmerz nicht in Hass umwandeln.“

Sind Ihnen gesellschaftliche Botschaften wichtig?

Mendes: Wenn mir etwas wirklich am Herzen liegt, dann ja. Aber ich muss wissen, worüber ich rede. Wenn ich mir ein Urteil erlaube, muss ich die Situation vollends verstehen, bevor ich meinen Mund aufmache. Leider werden wir heute von vielen Meinungen bombardiert, die oftmals nur in die Irre führen, weil sie auf Unwissenheit basieren.

Herzschmerz ist oft ein Thema in Ihren Liedern. Haben Sie die echte Liebe schon erlebt?

Mendes: Ich glaube nicht, obwohl ich viel darüber schreibe. Und da ich die wahre Liebe noch nie selbst erfahren habe, gilt das auch für den Herzschmerz. Aber wenn er passiert, werde ich noch viel mehr traurige Lieder schreiben – so viel ist sicher.

Hätten Sie denn überhaupt Zeit für die Liebe?

Mendes: Na klar! Ich habe einfach die richtige Person noch nicht gefunden, oder das Timing stimmte bisher nicht – auch wenn mir in den Medien immer irgendwelche Freundinnen angehängt werden. Aber Zeit für Beziehungen gibt es immer, man muss sie sich nur nehmen.

Könnten Sie sich vorstellen, einen Fan zu daten?

Mendes: Natürlich, und da wäre ich nicht der erste Künstler. Man trifft sich und verliebt sich – da gibt es keine Limitierung.

Empfinden Sie Ihren Ruhm manchmal auch als belastend?

Mendes: Berühmt zu sein, ist nicht immer einfach. Es geht einfach darum, was du
daraus machst, und man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen. Ed Sheeran ist ein perfektes Beispiel für jemanden, der einfach liebt, was er macht, und kein monströses Image kreiert, dem er gerecht werden muss. Er ist einfach nur er selbst. So will ich es auch halten.

Wenn man schon so jung so erfolgreich ist, hat man dann einen Plan für den Rest des Lebens?

Mendes: Ich möchte Musik machen, bis ich 85 bin. Ein paar Jahre dabei zu sein und ein paar Hits anzusammeln, reicht mir nicht.

Ihr Aufstieg zum Popstar passierte sehr schnell. Gab es einen Schlüsselmoment, in dem Sie wussten, dass Sie es ganz nach oben schaffen würden?

Mendes: Diese Momente gibt es immer noch, aber als ich 2016 die Single „There’s Nothing Holding Me Back“ veröffentlichte, war das schon ein Wendepunkt. Ich war auf Tour in Europa, und die Ansammlungen von Kids, die vor dem Hotel herumstanden, wurden immer größer. Plötzlich kamen Künstler wie John Mayer und Ed Sheeran auf mich zu und lobten mich über den grünen Klee.

Ed Sheeran soll Sie in Ihren Anfangstagen sogar nach Los Angeles eingeflogen haben, um Ihnen Tipps zu geben.

Mendes: Ja, als ich 15 war. Wir haben immer noch Kontakt, ich habe ihm erst gestern gemailt.

Was stand in der Mail?

Mendes: Popstar-Geschwätz! (lacht) Ed gibt mir gute Ratschläge. Er sagte mir schon bei unserem ersten Treffen: „Sag niemals nein zu einem Interview oder einem Besuch bei einer Radiostation. Denn die erfolgreichsten Leute sind die, die am härtesten arbeiten.“ Und es stimmt: Erfolg basiert auf harter Arbeit, Liebenswürdigkeit und Selbstbewusstsein.

Wie ist das heute, wenn Sie Ihr Gesicht auf einer mehrere Meter hohen Plakatwand sehen?

Mendes: Es ist großartig! Aber auch komisch, wenn man sich vorstellt, dass so viele Leute jeden Tag in Los Angeles daran vorbeifahren und es sehen.

Ihr aktuelles Album klingt ziemlich groovig, mitunter erinnert es an Justin Timberlake. Sind Sie nun so etwas wie sein Konkurrent?

Mendes: Es wäre gut, wenn er mich als das sehen würde. Ich habe ihm den Song „Lost In Japan“ geschickt, und er fand ihn toll. Das freut mich natürlich.

Können Sie denn auch so gut tanzen wie Justin Timberlake?

Mendes: Noch nicht! Aber diese Platte verlangt ja geradezu danach, dass ich etwas einübe. Ich habe allerdings auch noch eine Gitarre bei meinen Konzerten zu halten.

Steckt in Ihnen denn auch ein Party-Typ?

Mendes: Eher nicht. So ein Typ war ich eigentlich nie.

Auf der Bühne wirken Sie auch manchmal etwas schüchtern.

Mendes: Es ist ja auch extrem einschüchternd, wenn eine ganze Arena dich anschreit (lacht). Ich bin immer nervös bei Auftritten – ich will es einfach nicht versauen. Manchmal gehe ich auf die Bühne, kann ausatmen und völlig loslassen – dann ist es magisch. Aber das jedes Mal hinzukriegen, ist schwierig.

Was tun Sie gegen die Nervosität?

Mendes: Ich suche mir den nächsten Fan, der für mich den Text singt. Das beruhigt mich. Es ist immer einfacher für mich, vor Fans zu singen als vor Leuten, denen das alles egal ist. Wie auf Preisverleihungen zum Beispiel.

Sie sind auch schon als Model für Armani über den Laufsteg gelaufen. War es da besser mit dem Lampenfieber?

Mendes: Oh nein, ich war unglaublich aufgeregt. Denn sie wollten, dass ich tanze. Aber ich tanze ja eigentlich nicht. Mode, das Modeln und die ganze Fashion-Industrie mag ich aber sehr. Ich würde das gerne mal wiederholen – aber ohne die Nervosität.

Haben Sie Ihren modischen Stil denn schon gefunden?

Mendes: Ich mag es eher schlicht. Stil hat für mich eher damit zu tun, wie alles zusammenspielt, und nicht damit, die teuersten oder verrücktesten Klamotten zu tragen.

Sie werden also nicht irgendwann so ein bunter Vogel wie Jared Leto?

Mendes: Nein, definitiv nicht. Und ich werde auch nie so eine Jesus-Frisur tragen. Ich glaube, ich bin auch weniger eitel. 

(tsch)
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