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Polizei stoppte Cannonball-Rennen

Polizei stoppte Cannonball-Rennen

Monschau (an-o) - Der Verkehrsdienst der Polizei hat gestern Morgen auf der Bundesstraße 258 in Monschau das berühmt-berüchtigte "Cannonball Run Europe" gestoppt. Schwerreicher Liebhaber schneller Autos kümmern sich nicht um Verkehrsregeln.

Die beiden Beamten des Verkehrsdienstes trauten ihren Augen nicht, als sie gegen 10.30 Uhr bei ihrer routinemäßigen Kontrolle des Schwerlastverkehrs auf der B258 zwischen Monschau und Höfen eine "Kanonenkugel" auf sich zurasen sahen. Der schwarze Ferrari Testarossa, der mit geschätzten 200 Sachen die kurvenreiche Strecke herunterbretterte, scherte sich jedoch nicht sonderlich um die Haltezeichen der Polizei, musste er doch die nächste Kurve kriegen. "Der hätte sich fast um den Baum gewickelt. Aber mit einem waghalsigen Manöver auf der ganzen Straßenbreite kam der Fahrer doch irgendwie herum", berichtete ein Beamter kopfschüttelnd.

Raser mit Startnummer und Plan im Cockpit

Wenig später aber klärte sich auf, was da ablief: Der nächste schnelle Sportwagen rauschte auf die Kontrollstelle zu und konnte von den Polizisten gestoppt werden. Ein riesiger Aufkleber auf der mächtigen Motorhaube, die Startnummer und ein beschlagnahmter Laufplan im Cockpit beseitigten letzte Zweifel: Den Beamten war soeben ein Teilnehmer des "Cannonball Run Europe" ins Netz gegangen.

Ursprünglich aus Amerika kommend, hat dieses illegale Autorennen über öffentliche Straßen mittlerweile Freunde in ganz Europa gefunden. Zumeist sind es junge Manager, Börsenmakler oder einfach Millionärssöhnchen, die sich diesen "Spaß" leisten. Ziel ist es, eine festgelegte Strecke über mehrere hundert Kilometer möglichst schnell zurückzulegen - egal wie. Tempovorschriften, Verkehrsschilder, Markierungen und die anderen Verkehrseilnehmer sind den Rasern völlig einerlei. "Man glaubt es nicht, wenn man sie nicht hat fahren sehen", so die Beamten zur tödlichen Gefahr für alle, die den Weg der Raser kreuzen.

Keine Geschwindigkeits-Rallye

Am Donnerstag Morgen handelte es sich um den englischen Ableger der verbotenen Challenge. "Weve been all over Europe in only a couple of days" ("Wir waren in ganz Europa in nur wenigen Tagen") betonte Nevil Hart aus Bristol, Finanzdirektor des englischen Reiseunternehmens "worldwide vacations", dementierte aber heftig, dass es sich um eine Geschwindigkeits-Rallye handelt: Es sei eine Orientierungsfahrt, bei der verschiedene Checkpunkte anzufahren seien, beteuerte der junge Mann, dessen Bolide allerdings so gar nicht nach Spazierfahrt aussah.

Auch sein Beifahrer verstand den "Aufstand" der Polizei nicht und setzte noch einen drauf: "Wir fahren für schwerkranke Kinder; Sponsoren zahlen uns viel Geld dafür, dass wir mit ihrem Schriftzug durch Europa fahren", deutete er auf die vielen aufgeklebten Werbebanner auf dem gnadenlos getunten Wagen. Fragt sich allerdings, welcher mildtätige Geldgeber sich hinter dem Schriftzug "Adren-a-lin" verbirgt.

Polizeikollegen gewarnt

Während man als Fahrer auf belgischen und niederländischen Autobahnen bei größerer Tempoüberschreitung sein Auto stehen lassen muss, hatte die deutsche Polizei am Donnerstag Morgen nur eine vergleichsweise harmlose Handhabe: 167 Euro Bußgeld für die Teilnahme an einem nicht genehmigten Rennen auf öffentlichen Straßen (Ordnungswidrigkeit nach §20 StVO). Anschließend musste man die gut 20 Teams weiter fahren lassen, warnte allerdings die Polizei-Kollegen in Belgien und Frankreich vor, da der weitere Weg über Eupen an die Küste nach Calais führte. Ihre vorgesehene Fähre nach Dover um 13.30 Uhr haben allerdings alle Teilnehmer verpasst.