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Köln: Polen gewinnt die WM, und Brand feiert

Köln : Polen gewinnt die WM, und Brand feiert

Stellen Sie sich vor, es ist Fußball-WM, und Japan erreicht das Halbfinale. Wie auch Saudi Arabien. Und Weltmeister werden die Polen. Eine amüsante Vorstellung. Oder nicht? Und doch exakt so geschehen - zumindest beim F-Junioren-Wettbewerb der Mini-WM in Köln am Wochenende. Da wuchsen die vermeintlich Kleinen über sich hinaus. Und das im wahrsten Sinne.

Noch 39 Tage bis zum Beginn der Fußball-WM in Deutschland. Dann kommen sie endlich, die großen Stars mit den klingenden Namen: Ronaldinho, Beckham, Zi- dane... Um das WM-Fieber noch zu steigern, hatte sich der Fußball-Verband-Mittelrhein (FVM) etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die „Krüger Mini-WM”. 256 Juniorenteams des FVM - aller Altersklassen - jagten am Wochenende auf den Kölner Jahnwiesen dem runden Leder hinterher und spielten ihre Mini-Weltmeister aus. Gespielt wurde im echten WM-Modus und für einen guten Zweck: die Kinderkrebshilfe.

Die teilnehmenden Teams hatten sich Wochen zuvor über diverse Ausscheidungsturniere qualifizieren müssen, bevor sie anschließend den einzelnen WM-Teilnehmern zugelost wurden. So spielte beispielsweise der SV Eilendorf als Paraguay oder schlüpften die Spieler von Fortuna Weisweiler in die Trikots der Spanier.

Auf sieben abgesteckten Feldern wurde zeitgleich „gekickt” - was zu Beginn für ein wenig Verwirrung bei Beteiligten und Zuschauern sorgte. „Wo ist denn eigentlich Berlin?” Oder: „Spielen die hier gerade in Dortmund?” Solche Fragen bestimmten anfangs die Szene vor dem RheinEnergieStadion. Denn, um „echtes” WM-Fieber aufkommen zu lassen, waren die Spielfelder nicht lieblos durchnummeriert, sondern nach den original WM-Spielorten benannt.

So wurde erstmals eine Weltmeisterschaft an nur einem Tag ausgespielt. An Alles hatten die Verantwortlichen gedacht, nur einer ließ sie im entscheidenden Moment im Stich: Der Wettergott! Seine sonnige Seite zeigte er nur selten. Besonders hart traf es die D-Junioren und C-Juniorinnen. Sie wurden von Beginn an mit Dauerregen „bestraft”. Dennoch, die Kids ließen sich ihre gute Laune und den Spaß am Fußball nicht verderben.

Besonders die Jungs von Rasensport Brand trotzten den widrigen Witterungsbedingungen und „erwärmten” die Zuschauer mit erfrischendem Fußball. Mit Leidenschaft und Nervenstärke setzten sich die F-Junioren durch und wurden sogar Weltmeister - im Trikot der polnischen Nationalmannschaft. Mit der rot-weißen Fahne auf der Brust gingen sie vor Turnierstart eher als Außenseiter ins Rennen. Natürlich wollten sie, wie fast alle Vereine, lieber für Deutschland oder Brasilien spielen. Doch die Jungs um die Trainer Thomas Gessner und Frank Schornstein zeigten auch als vermeintlicher „Underdog”, was man mit Willensstärke und Teamgeist alles erreichen kann. Philip, Kevin, Roman und wie sie alle heißen, kämpften bis zum Umfallen und durften am Ende den Weltmeisterpokal, der nicht wirklich weltmeisterlich aussah, aus den Händen von Bundesliga-Profi Florian Kringe (Borussia Dortmund) entgegen nehmen. Ein Wink an die Großen bei der WM: Die Kleinen sind immer für eine Überraschung gut.

„Wir wollten eigentlich nur die Vorrunde überstehen”, so Trainer Gessner, „aber jetzt ist Polen zum ersten Mal Weltmeister.” Das Finale bot den zahlreichen Zuschauern, die sich dicht gedrängt am Spielfeldrand versammelt hatten, Dramatik pur. Erst im Achtmeterschießen bezwangen die Brander die Saudis vom TuS Oberpleis. Wie bereits im Achtel- und Halbfinale konnten sich Fans und Betreuer auf die Nervenstärke ihrer Schützlinge verlassen. Mit überdimensional großer Fahne und Trompeten feuerten sie ihre Kinder, Geschwister und Freunde lautstark an. „Wer nicht hüpft, der ist kein Brander”, sangen sie sich gegenseitig warm.

Bleibt nur zu hoffen, dass die echte WM vom 9. Juni bis zum 9. Juli auch so leidenschaftlich und emotional ablaufen wird, damit die kleinen Weltmeister sich bei den großen auch noch etwas abgucken können.