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Hellenthal/Bonn: Platzhirsch Olli ist noch kein Star

Hellenthal/Bonn : Platzhirsch Olli ist noch kein Star

Er drohe, röhre und zeige sich angriffslustig, schreibt ein Besucher der Internetplattform des Freiwildgeheges Hellenthal in der Eifel über Hirsch Olli. Als würde er von einem Serienkiller reden, fragt er: „Wer wird wohl sein nächstes Opfer sein?”

Doch das scheint den Großteil der Fangemeinde der Webseite wildtiere-live.de, die seit 2003 über eine Kamera das Leben der Hirsche im Gehege verfolgt, nicht zu interessieren. Denn noch immer befinden sich offenbar viele in tiefer Trauer über den Verlust ihres früheren Stars des Geheges, Hirsch Heinz, den Hirsch Olli getötet hat.

Rund einen Monat ist es her, dass der neunjährige Hirsch Olli den zwölfjährigen Heinz beim Kampf um die Gunst der Rotwilddamen tödlich an der Brust verletzte. Skeptisch beäugen die Besucher der Internetplattform seitdem das Verhalten des neuen Platzhirschs. Im Gästebuch finden sich zahlreiche Einträge wie „Ich bin noch immer sehr traurig, dass Heinz nicht mehr da ist”, „Wir vermissen dich Heinz” und „Jetzt wird Heinz ein Engel im Rotwild-Himmel”. Ein Besucher hat dem verstorbenen Hirsch im Gästebuch gar ein Gedicht gewidmet.

Seit 2003 verfolgen Tierfreunde rund um die Welt regelmäßig das Treiben der Hirsche und Wildschweine im Gehege in Hellenthal unter wildtiere-live.de auf ihren Monitoren. Dort installierte der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) keine „einfache Kamera”, sondern eine zoomfähige Videokamera mit Richtmikrofon, Scheibenwischer, Gebläse und Kühlung in dem Gehege, die von der Morgendämmerung bis zur Abenddämmerung Bild und Ton in Fernsehqualität bietet.

Obwohl die Tierfreunde Hirsch Olli offenbar noch nicht als ihren neuen Star anerkannt haben, erfreut sich die Internetplattform seit dem Zwischenfall zunehmender Beliebtheit. „Statt der bisher durchschnittlichen 500.000 Klicks pro Monat wurde die Seite im Oktober rund eine Million Mal angeklickt”, erklärt der DJV-Sprecher Torsten Reinwald in Bonn. „Kurzfristig verfünfzehnfachte sich die Anzahl der Besucher auf der Seite sogar.”

Mit der zusätzlichen Million im Oktober ist die Internetseite nach DJV-Angaben innerhalb der vergangenen fünf Jahre rund 41 Millionen Mal angeklickt worden. Das sind bei rund 500.000 Klicks im Monat im Durchschnitt täglich etwa 16.700 Neugierige, die die Seite besuchen.

Obwohl der Tod von Heinz von zahlreichen Besuchern der Internetplattform scharf kritisiert wurde, handelt es sich bei dem Vorfall offenbar um einen Unfall mit unglücklichem Ausgang. „Eigentlich ist der Brunftkampf eine unblutige Sache, denn die Kämpfe unterliegen festen Regeln”, erklärt Reinwald. So griffen sich die Hirsche nie von der Flanke her an, und der Kampf diene nur dazu, den Gegner zu vertreiben und nicht, ihn zu verletzen oder gar zu töten. Es sei äußerst selten, dass ein Zweikampf so ende.

Jetzt ist Olli als Rudel-Ältester der Platzhirsch unter den fünf Hirschen, 15 Hirschkühen und neun Kälbern im Gehege. Vorgänger Heinz hinterlässt jedoch ein großes Erbe: Heinz hat in den vergangenen Jahren für immerhin rund 40 Nachkommen gesorgt. Das müsse ihm Olli nun erst einmal nachmachen, sagt der DJV-Sprecher. „Aber er hat auf jeden Fall das Zeug dazu, in Heinz Fußstapfen zu treten.” Nach dem Tod von Heinz sei Olli noch „sehr aktiv” gewesen. Jetzt klinge die Brunft langsam aus und auch der teilweise aggressive Platzhirsch werde wieder ruhiger.