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Arlon: Plante Marc Dutroux einen Fluchtversuch?

Arlon : Plante Marc Dutroux einen Fluchtversuch?

Wie eine Bombe schlug die Nachricht ein, dass in einem Kasten in einer Küchennische des Gefängnistrakts, in dem der bestbewachte Häftling Belgiens einsitzt, ein Schlüssel für Handschellen gefunden worden ist.

Versteckt in einem Salzbehälter, dessen Ablaufdatum seit 2001 überschritten ist, wurde der Schlüssel bei einer Durchsuchung durch das Gefängnispersonal entdeckt. Justizministerin Laurette Onkelinx ordnete unverzüglich eine Untersuchung an.

Die Behörden beeilten sich zwar zu erklären, dass der Schlüssel zu einem älteren Modell von Handschellen passt, die im Gefängnis von Arlon, wo Dutroux seit 1996 sitzt, nicht mehr verwendet würden. Das will aber noch nichts heißen. Justizministerin Onkelinx: „Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass Dutroux damit seine Handschellen hätte öffnen können.”

Erinnerungen an die Flucht

Sofort wurden Erinnerungen an die Flucht des meistgehassten Mannes von Belgien wach, der 1998 beim Transport zu einem Gerichtstermin seine Bewacher übertölpeln und sich absetzen konnte, bevor er mehrere Stunden später wieder gefasst wurde. Mehrere Thesen werden jetzt untersucht: Wollte Dutroux mit Hilfe des Schlüssels einen erneuten Fluchtversuch unternehmen? Gibt es weitere Komplizen, die ihm auf diese Weise helfen wollten? Oder hat jemand den Schlüssel absichtlich dort platziert, um die Gefängniswärter in Verruf zu bringen?

Der Betroffene selber gibt sich nichts ahnend. „Er hat davon aus dem Radio erfahren und war sehr überrascht”, erklärte Dutroux Anwalt Ronny Baudewyn. Sein Mandant habe gesagt, dass das Salz nicht ihm gehöre. Er habe erst kürzlich eine neue Packung Salz bestellt, die noch ungeöffnet in seiner Zelle sei.

Dieser Skandal wirft erneut ein schiefes Licht auf die belgische Justiz, zumal es sich schon um den dritten Zwischenfall seit dem Beginn des Prozesses am 1. März handelt. Schon zweimal blieben beim Transport der Angeklagten zwischen Gefängnis und Gericht die Türen des Fahrzeugs offen. Dann tauchten Fotos von Dutroux im Gefängnis auf, die offensichtlich von einem Wärter gemacht worden waren. Philippe Morandini, Sprecher des Justizministeriums, hält die Sicherheitsmaßnahmen dennoch für angemessen und ausreichend und sieht die Tatsache, dass die Schlüssel entdeckt wurden, als Beleg dafür.

Alles andere als zufriedenstellend

Allerdings ist die Situation des Wachpersonals in den 32 belgischen Gefängnissen alles andere als zufriedenstellend. Seit Jahren treten die Gefängniswärter immer wieder in den Streik, um gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen zu protestieren.

Unterdessen wurde der Prozess vor dem Schwurgericht in Arlon am Donnerstag - auf Wunsch der Familie von An Marchal unter Ausschluss der Öffentlichkeit - mit der Anhörung von Gerichtsmedizinern fortgesetzt, die die Leichen der Dutroux-Opfer untersucht hatten. Dutroux selber stellte dabei so detaillierte Fragen, dass die Väter von An und Eefje es nicht mehr ertrugen, der Verhandlung beizuwohnen.