1. Kultur

Hamburg/Bitterfeld: Plädoyer für die Zivilcourage

Hamburg/Bitterfeld : Plädoyer für die Zivilcourage

„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns”: Den Aufstand der Arbeiter am 17. Juni 1953 erstickt die Führung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mit ihren stärksten Mitteln.

Panzer weisen die vermeintlichen Rebellen in die Schranken, Volkspolizisten nehmen die Anführer der Aufsässigen in Haft. Den 50. Jahrestag des Generalstreiks in der DDR würdigt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) nun mit einem eigenen Fernsehfilm.

„Tage des Sturms” heißt der 90 Minuten dauernde Streifen, den die ARD am 7. Mai (20.15 Uhr) zeigt und den der zuständige MDR-Redakteur Karl Heinz Staamann als „Plädoyer für die Zivilcourage” bezeichnet.

Der MDR-Beitrag ist der Auftakt zu den „Filmwochen” im Fernsehen über den Jahrestag des 17. Juni. Denn eine Woche später zeigt erneut die ARD die Produktion „Zwei Tage Hoffnung” - innerhalb der ARD, so lautete die Einigung unter den Landesrundfunkanstalten, sollte ein Film über das Ereignis von einem im Westen angesiedelten und ein Film von einem im Osten angesiedelten Sender hergestellt werden.

Am 3. Juni folgt das ZDF mit einem so genannten Dokudrama (Titel: „Der Aufstand”). In „Tages des Sturms” ist Regisseur Thomas Freundner mit der Familiengeschichte gelungen, die Ängste und Nöte der Bewohner der ostdeutschen Kreisstadt Bitterfeld im Jahre 1953 nachzuzeichnen.

Zentrale Figur des Films: der Chemiewerk-Brigadier Hartmut Brücken (Wotan Wilke Möhring), der nur wenige Wochen nach dem Tode Stalins ohne Vorwarnung in den Sog eines Generalstreiks gerät. Obwohl die Polizei dem Streikführer Brücken mit Spürhunden dicht auf den Fersen ist, gelingt ihm die Flucht in den Westen. Seine schwangere Ehefrau Claudia (Franziska Petri) lässt Brücken ebenso zurück wie den neun Jahre alten Sohn Thomas (Vincent Göhre). Trotz Denunziationen verrät Claudia ihren Mann nicht. Das büßt sie mit dreieinhalb Jahren Zuchthaus. Peter Sodann und Thekla Carola Wied sind in dem Film als kämpferische Schwiegereltern des Republikflüchtlings Brücken zu sehen.