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Landgraaf: Pinkpop: Große Show mit viel Familiencharme

Landgraaf : Pinkpop: Große Show mit viel Familiencharme

Die Bedingungen sind schwieriger geworden. Als Veranstalter Jan Smeets Pfingsten vor 38 Jahren zum ersten Mal das Musikfestival Pinkpop organisierte, war es noch das einzige Festival in Europa. Heute ist die Konkurrenz hart und Pinkpop, das zum 20. Mal auf dem Megaland-Gelände in Landgraaf stattfand, umzingelt von anderen namhaften Festi-vals.

Doch Pinkpop lockte an diesem Wochenende mit 39 Bands auf drei Bühnen 62.000 Zuschauer. Das ist höchst ansehnlich, und gemischt mit dem Charme eines großen Familienfests war Pinkpop 2007 ein Musikereignis erster Güte. Das bewies bereits am Samstag Marilyn Manson.

Gewohnt düster lieferte Manson eine perfekte Show, gespickt mit alten Songs wie „Beautiful people” und Kostproben seines neuen Albums „Eat me, drink me”. Allerdings verließ „Diva” Manson eine Viertelstunde früher als geplant, ohne Zugabe, die Bühne, nachdem er diese schon zu spät betreten hatte.

Ganz anders als die Smashing Pumpkins, die am Montag früher anfingen und scheinbar auch nicht mehr aufhören wollten. Ihre Zugabe dauerte fast eine halbe Stunde und überstieg die geplante Länge um 15 Minuten. Recht ungewöhnlich für ein Festival, genauso ungewöhnlich wie der Auftritt selbst. Lang war der erwartet worden, nachdem sich die Band im Jahr 2000 getrennt hatte.

Nun gibt es die Pumpkins wieder, allerdings ist nur Drummer Jimmy Chamberlain neben Frontmann Billy Corgan geblieben. Gitarrist Jeff Schroeder und Bassistin Ginger Reyes sind die Neuzugänge. In dieser Besetzung spielten die „Kürbisse” nun ihr zweites Konzert seit Neubeginn und klangen dabei wie früher, doch insgesamt wirkte der Auftritt ein wenig beklemmend.

Alles auf der Bühne konzentrierte sich auf Corgan, der in einem merkwürdigen weißen Outfit gekleidet war, das fatal an ein Nachthemd erinnerte. Angestrahlt mit weißem Licht hatte der Auftritt etwas Mystisches. Gut gespielt und professionell dargeboten war das Ganze ohne Zweifel; wer nichts anderes von den Pumpkins erwartet hat, wurde nicht enttäuscht - wer allerdings auf die große Show gehofft hat, schon.

Die lieferten einen Abend vorher allerdings Muse. Die britische Rockband zeigte eine unglaub- lich gute Show. Mit extra Monitoren, vielen Lichteffekten und einem fantastischen Matthew Bel-lamy.

Der Frontmann der Band verstand es, sowohl die Gitarren krachen zu lassen, als auch virtuos auf dem Flügel zu spielen. Songs wie „Starlight” und „Feeling good” begeisterte die Zuhörer.

So abwechslungsreich wie der Auftritt von Muse war Pinkpop insgesamt: Das Programm bot ehrlichen Rock (Iggy Pop, Juliette & The Licks), krachendes New Metal (Linkin Park), Soul (Macy Gray), Disco (Scissor Sisters) und Gothic (Within Temptation, Evanescence) für alle etwas. Und auch für die - trotz Grenznähe - deutschen Zuschauer wurde etwas geboten: Wir sind Helden, die am Samstag auf Bühne 2 auftraten.

Bei Pinkpop steht bereits die zweite Generation Musikfans vor den Bühnen. So wie Maikel (16), der mit seiner Mutter Iris (38) bei Pinkpop war. „Kannst du dir vorstellen, was das für ein Gefühl ist?” fragte Iris, die selbst nicht glauben kann, wo die Jahre geblieben sind. Genau wie Paul (48), der 1977 das erste Mal bei Pinkpop, das damals noch in Geleen stattfand, war und dort die Manfred Mann´s Earth Band gesehen hat. Doch genau wie das Festival geht auch Paul mit der Zeit und freute sich an diesem Wochenende besonders auf Evanescence.

Gute Bedingungen für ein Festival, das nächstes Jahr Pfingsten zum 39. Mal große Show mit viel Charme kombinieren wird.